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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 63

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 63 (sequence 63)
Language
German, English, Hebrew
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gesagt: Im entscheidenden Momente, als die Umwälzung in der Türkei vor äch ging, waren die Augen der ganzen Partei nach dem E. A. C. gewendet. Es ist wahr, die ganze Partei hat die Augen nach Köln gewendet, aber rasch mußte man die Augen zurückwenden, weil wir nichts im E. A. C. in Köln wahrgenommen haben. Präsident Dr. Nord au sagte gestern, das E/A. C. hat das Verdienst, daß es das Losungswort erschallen ließ: Warten! Und Dr. Nord au sagte: Langes Warten ist ein Kummer, aber keine Schande. Ich sage: Langes Warten ist ein Kummer, aber auch ein Risiko. Wenn man lange wartet, kann man riskieren, daß man den Moment versäumt, wo wir eben zur Tat greifen müssen (Beifall). Was war denn die ganze Diplomatie, die vor einigen Jahren den Zionismus heherrscht hat, wenn nicht das Losungswort, von dem wir uns endlich befreit haben: Warten! Wenn das E. A. C. uns wenigstens in dem Momente, wo wir alle zu ihm aufgeschaut haben, zugerufen hätte: Vertrauetuns, wir sorgen für euch, wartet, wir haben den Willen und die Macht zum Abwarten! Auch das haben wir nicht gehört. Wir haben gelauscht, aber nichts vernommen. Wir haben gefragt, aber niemand hat uns geantwortet. Das E A. C. hat sich im entscheidenden Moment in ein mystisches Schweigen gehüllt. Ich wrill nicht davon sprechen, daß das E. A. C. die Verhältnisse, die in der Türkei sich abgespielt haben, nicht voraussehen wollte, daß es nicht die Revolution gesehen hat, die die Gemüter des ganzen türkischen Volkes durchzogen hat, bevor sie sich in eine Revolution nach außen ausgelöst hat. Wer weiß, ob wir nicht in diesem Momente einschreiten hätten sollen. Denn es ist eine Tatsache, daß alle Nationen am geneigtesten sind/ Konzessionen zu machen, wenn sie selbst unter dem Zeichen der hamletischen Frage stehen: Sein oder Nichtsein! Aber für eine solche Diplomatie müssen wir speziell Männer wählen, die wir kaum finden werden. Dann war aber ein Moment eingetreten, wo man nicht mehr vorauszusehen brauchte, sondern wo man den Verhältnissen nachspüren und sagen mußte: Vorwärts, oder ihr bleibt zurück! Es ist noch Zeit, dreiuzuschlagen". Nichts ist jedoch geschehen. Wir haben gelauscht, alles vergebens. Wenn wir heute fragen: nicht, was das Aktionskomitee geleistet hat, sondern, welches die wahre Lage des Zionismus ist, wie sie wirklich ausschaut, und nicht, wie sie in dem Berichte geschildert ist, dann gibt es keine Antwort. Man hüllt sich weiter in Schweigen. Ein Moment des Niedergangs im Zionismus ist, glaube ich, der Mangel an intellektueller Kraft, die hinter dem Zionismus stehen soll. Zur Zeit, als Herzl regierte, da wissen wir, waren in einem Momente alle geistigen Kräfte auf unserer Seite, von Dr. Nordau angefangen bis Zangwill. Alle Schriftsteller und Künstler reihten sich uns an, weil die Macht im Zionismus war. Heute sind alle großen Geister auswärts und leben nicht mehr in unserer Mitte, weil unsere Leitung nicht reich an Ideen ist und keine Leitmotive gibt. Wenn wir eine Remedur schaffen wollen, dann müssen wir ein erweitertes Kollegium schaffen und dann müssen wir auch den Sitz von Köln absolut nach einer andern Stadt verlegen (Beifall). Herr Dr. Nordau hat Recht, wenn er sagte, die Türkei ist das Land unserer Zukunft, aber vorläufig müssen wir in der Gegenwart handeln. Köln ist aber weder die Stadt der jüdischen Zukunft, noch auch die Stadt der jüdischen Gegenwart. Von Köln kann man sich ebenso schwer mit der Türkei verständigen als auch mit dem jüdischen Volke, weil es ebenso weit von den europäischen Weltzentren als auch vor allem von einem jüdischen Zentrum entfernt ist. Wir haben nur eins vor uns, und das ist die Arbeit in Palästina, von der so häufig hier gesprochen wurde. Wir haben trotz der Untätigkeit des E. A. C. standgehalten, weil wir zur Überzeugung gekommen sind, daß heute Palästina für uns nicht eine Rechtsfrage, sondern eine Machtfrage ist. (Präsident Dr. Nordau: Ihre Zeit ist abgelaufen). Ich bin zu Ende. Nicht der Charter, den wir schon gestern verworfen haben, sondern der Pflug wird entscheiden, ob wir die Macht in Palästina erhalten. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. — Unruhe}.

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