Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 62)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 62 — Lebenszeichen der Parteileitung nach den Ländern ist, muß ich sagen, es ist traurig, wenn die Länder gezwungen werden, statt nach der Zentrale zu schauen, nach den eigenen Bedürfnissen zu handeln und vorzugehen. So sind wir dazu gekommen, daß das E. A. C. in seiner heutigen Gestalt eine bureaukratische Maschine ist, eine leere Maschine, welche keinen Inhalt hat und deren Funktion darin besteht, sich in formaler Geschäftstätigkeit abzuwickeln. Wir sind aber noch weiter gekommen. Wir sind heute dazu gekommen — da spreche ich wieder als Mitglied des Großen A. C, — das von Seiten des E. A. C. und der Parteileitung direkt eine Politik gegen das Große A. C. geführt wird. (Sehr richtig!) Es sind in der letzten Zeit Maßnahmen unternommen worden, welche direkt darauf hinzielen, die Bedeutung und das Kontrollrecht des Großen A. C. zu beeinträchtigen. (Hört, hört!) Wenn das so weiter geht, wird es dazu kommen, daß die Mitglieder des Großen A. C. einfach die Lust verlieren werden, zu den Sitzungen des Großen A. C. zu fahren. Es gibt heute schon eine Reihe von Mitgliedern des Großen A. C, welche nicht die Mühe scheuen, aber die Mühe für wertlos und belanglos halten, sich an der Kontrolle der Parteileitung zu beteiligen. (Zustimmung.) Darum, meine Herren, werden Sie gezwungen sein, in Ihren Beschlüssen bezüglich der zukünftigen Parteileitung radikale und entscheidende Maßnahmen zu treffen, welche nach dieser Richtung hin vorbeugend und sichernd sind. Das Engere A. C. wird so ausgestaltet werden, und sein Sitz wird so bestimmt Aver den müssen, daß tatsächlich die Parteileitung aus dem engen tötenden Rahmen des Bureaukratismus zu einer lebendigen, mit den Impulsen der Volksbewegung in Beziehung stehenden Parteiführung übergeht. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. Lärm.) Delegierter Dr. Reich (mit Beifall und Händeklatschen begrüßt): Verehrter Kongreß! Wir sind mitten in einer erregten Debatte. Die praktische Konsequenz dieser Debatte Avird ja heute in der Frage sich auslösen, ein Vertrauens- oder Mißtrauensvotum für das E. A. C. abzugeben. Ich bin derjenige, der der Meinung ist, daß wir uns absolut für ein Vertrauensvotum für das E. A. C. aussprechen sollen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen. 'Unruhe.) Denn ich glaube, daß das E. A. C. alles geleistet hat, was unter den gegebenen Umständen geleistet, werden konnte. (Zustimmung.) „Unter den gegebenen Umständen" meine ich nicht „unter Verhältnissen", die im Judentume außerhalb des E. A. C. geherrscht haben, sondern nur unter solchen, die in diesem E. A. C. geherrscht haben. Wenn Avir ein E. A. C. gewählt haben, dessen Kollegium aus drei Herren besteht, die von einander ganz entfernt sind, die nach dem Wunsche eines einzigen gewählt und zusammengefaßt wurden, dann ist es selbstverständlich, daß wir nichts Besseres cr- . warten können, als es uns gibt. Wenn Avir den Bericht des E. A. C. zur Hand nehmen, so finden wir die Tätigkeit der einzelnen Landmannschaften, aber die Tätigkeit der Landmannschaften, die nicht mit Hinzutun des E. A. C. vor sich ging, sondern häufig ohne jedwede Mitwirkung, manchmal sogar gegen die Mitwirkung des E. A. C. Der Bericht erzählt z B. Aron der nationalpolitischen Tätigkeit, die in Galizien vor sich ging. Ich bin ein galizischer Delegierter und kenne die dortigen Verhältnisse. Es ist Avahr, daß die nationalpolitische Tätigkeit das ganze Judentum in Galizien begeistert hat, insofern es nicht unter einem assimilatorischen Bann steht, und ich meine da nicht nur die Wahlpolitik für das Parlament, sondern die ganze Nationalpolitik, die wir gegen Haß, Anfeindung und gegen die Demoralisation der Polen führen mußten, Avelche verlangten, daß wir, Avie in der Fausttragödie, unsere Seele A^erkaufen sollten, um. von den irdischen Gütern zu genießen. In diesem Kampfe haben wir uns vergebens nach einem Ermutigungswort, nach einer Leitidee umgesehen. Und dies war auch der Fall auf Arielen anderen Gebieten. Wir haben eine Reihe von hebräischen Vereinen gegründet, insbesondere einen hebräischen Schulvorstand. Wir haben geleistet Avas wir konnten. Aber das E. A. C. hat uns wenig geholfen. Herr Dr. Nord au hat gestern