Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 61)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 61 — leitung, daß eine Reihe von Ämtern geschaffen wurde, die reichlich dotiert und vom Standpunkte der formalen Bureauführung gut geleitet sind. Aber, meine sehr geehrten Herren, die gute Leitung von Bureaus, die Abwicklung formaler Geschälte bedeutet noch keine Bewegung. Bei uns hat sich leider herausgestellt, daß dieser Bureaukratismus der Feind der wirklichen Arbeit ist. Sie haben, meine Herren, aus dem Munde eines liedners aus Palästina, ich möchte sagen, einen Schmerzensschrei über die Art und Weise, wie die palästinensische Bewegung an Ort und Stelle behandelt wird, gehört. Es ist die Gefahr des Bureaukratismus, daß immer der Geschäftsweg der Berichte eingehalten wird. Mau sagt, die Bank wird gut geleitet. Ich verstehe nichts davon, ich bin kein Fachmann. Aber wenn die Bank gut geleitet wird, so bedauere ich es, daß diese gute Leitung in formeller Beziehung zugleich den Tod der wirklichen Bankarbeit bedeutet. (Lebhafter Beifall.) In Österreich und Rußland spricht man von der Bank allgemein als von einer toten Institution. (Ruf: Bankautoritäten!) Das Volk empfindet, was man für dasselbe tut, und die Kaufleute verstehen so gut wie die gegenwärtigen Bankleiter, wie die Tätigkeit einer Bank empfunden werden soll. Ich habe es selbst im letzten Jahre als einer der Vertreter der galizischen Parteiorganisation erlebt. Wir haben ans dem tiefsten Bedürfnis der Bevölkerung heraus es als notwendig empfunden, daß in Galizien eine jüdische Bank geschaffen werde. Wir sind von Stadt zu Stadt gegangen und haben die Garantiefoncls aufgetrieben, welche für die Schaffung einer solchen Institution notwendig waren, und wir haben uns an die Kolonialbank um eine Unterstützung gewendet. Wir haben leider sehr viele Versprechungen von seiten unseres Parteipräsidenten erhalten. Wir haben uns aber in letzter Stunde mit einem vollständigen Refus abfinden müssen. (Sehr richtig!) -Daß das keine Phantastereien waren, welche in dieser Bankgründung enthalten waren, sehen Sie daraus, daß ohne Unterstützung der Kolonialbank diese galizische Bank nach einigen Monaten ein blühendes, aufstrebendes Institut geworden ist. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Es ist das traurigste Empfinden für uns, daß wir erst durch unsere Arbeit der Kolonialbank zeigen müssen, wie wenig sie selbst arbeitet. Unser verehrter Präsident Dr. Nord au hat "sehr richtig gesagt, daß der Zionismus noch lange nicht das gesamte Judentum ausmacht, daß wir noch eine kleine relativ schwache Gruppe sind, und daß wir mit allen unseren Mitteln und intensivster Arbeit noch nicht in der Lage sind, etwas wirklich Grandlegendes und Entscheidendes für den Zionismus zu tun. Der Zionismus bedarf* einer großen Entfaltung in den Ländern des Golus, der Zionismus muß die Gesamtheit, die große Masse des jüdischen Volkes beherrschen. Er muß aus den wirklichen Lebensquellen des jüdischen Volkes schöpfen -können, um einen entscheidenden Faktor im jüdischen Leben zu bilden. Was geschieht nun von Seite der Parteileitung nach dieser Richtung? Kümmert sich das E. A. C. tatsächlich um die Entfaltung; des Zionismus in den einzelnen Ländern V Ich kann Ihnen sagen, Rußland und Osterreich, — ich spreche da aus eigener Anschauung und vermeide es darum, von anderen Ländern zu sprechen, — sind nicht nur die Träger des Zionismus, sondern auch zugleich das Objekt des Zionismus. Dort ist das Volk, welches in erster Linie zum Zionismus emporgehoben, und für welches der Zionismus in erster Linie verwirklicht werden soll. In Österreich und Rußland spürt man nichts, absolut nichts von irgendwelcher Tätigkeit des E. A. C. für diese Länder (Beifall). Es ist ja sehr leicht, meine Herren, von hoher Stelle Briefe an die Landesorganisationen zu schreiben; aber wenn der Inhalt dieser Briefe ausschließlich darin besteht, daß man immer wieder Mahnungen um Geldsendungen ergehen läßt, — ich will durchaus nicht leugnen, daß cliebe Mahnungen um Geldsendungen berechtigt sind . . . Präsident Wollisohii; Diese gehen ja nur nach Galizien in Ihren Distrikt. Delegierter Dr. Brande (fortfahrend): Wenn dies aber das einzige