Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 59)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 59 — mus wie mit der jüdischen Idee. Die Idee liat etwas Ewiges. Was das Ewige im Zionismus ist, das ist unser Glaubensbekenntnis. Der Zionismus ist die Schaffung einer nationalen, einer autonomen Körperschaft des Judentums in Palästina; dies ist das Wesentliche, das werden wir uns nie wegnehmen lassen. Wenn wir den Glauben haben werden, daß es unsere Generation nicht schaffen kann, werden wir die Idee der nächsten Generation übergeben, als unser politisches Testament. (Lebhafter Beifall.) Es bleibt durch alle Zeiten, bis es gelost ist. Die .Herren sagen, sie sind politische Zionisten. Was heißt politischer Zionismus? Politischer Zionismus heißt nichts tun, d.h. abwarten. (Lebhafte Zustimmung.) Das Politische ist im höchsten Grade unpraktisch. Es schafft nichts, es ist eine Erstarrung, die uns schadet. Unser großer toter Führer, der hatte mit den Regierungen, mit den Führern der Staaten unterhandelt, jetzt hören wir nichts davon, und ich weiß nicht, was daran Politisches ist. Irgendwelche kleine Verhandlungen sollen vorgekommen sein, von denen man aber nichts hört. Uberall nichts als Erstarrung. Eine Politik ohne reale Grundlage kann nie fruchtbar werden. Es wird ge&igt, wir sollen in die Türkei nicht eindringen, wir sollen ruhige Bürger werden. Das unterschreibe ich. Aber je mehr wir dort leben werden und je ruhiger wir uns dort verhalten werden, desto mehr wird man uns glauben. Wenn wir vor der Alternative stehen, ob wir handeln oder unterhandeln sollen, so sage ich, zuerst handeln, dann unterhandeln. Unser Präsident ist teilweise inkonsequent und insofern ist er mir sympathisch. Er ist der stumme Exponent der Herren aus dem weiten Westen, welche sagen, Polemisieren sei Nichtstun. Er tut von Zeit zu Zeit etwas. (Heiterkeit.) Was er tut, ist uns sympathisch. Aber dieser Zustand ist für die Dauer unhaltbar. Ein Präsident, der für uns die praktische Arbeit in Palästina widerwillig macht, dem man sie abtrotzt, das geht für die Dauer nicht. Ein Präsident muß aktiv sein, es heißt doch Aktionskomitee. (Lebhafter Beifall.) Der Präsident muß Führer sein, der Präsident muß Ideen geben, und wenn er sich in einen solchen verwandeln will, wird er unser Präsident, der Präsident der lebendigen Bewegung, die fortwährend Werte schaffen will, sein können. (Lebhafter Beifall.) Die zweite Person im Drei-Männer-Klub ist Professor Warburg. Er ist konsequent auf der ganzen Linie. Wenn wir sehen, was er in zwei Jahren geleistet hat, müssen wir mit Zufriedenheit sein Wirken anerkennen, wo er mit kleinen Mitteln gearbeitet hat. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Dieser Herr hat nicht nur die Schwierigkeit zu bekämpfen, daß ihm keine Mittel zur Verfügung stehen, er hat auch Schwierigkeiten von innen zu überwinden; er wird von mancher Person aufs schärfste angegriffen (lebhafte Pfuirufe', und wenn wir uns diese Angriffe anschauen, so müssen wir in erster Linie fragen: War Cowen legitimiert, Warburg anzugreifen? (Kufe: ,,Nein!w) Ich menge mich nicht persönlich in diesen Streit. Aber ich muß sagen, Cowen war als Politiker nicht dazu legitimiert; denn wenn wir ihn und seine Freunde anschauen, wenn wir sehen, wie er War bürg verhöhnt, so frage ich: „Was habt Ihr' getan, wo ist die Bilanz Eurer Tätigkeit? (Lebhafter Beifall.) Euere Bilanz ist Null, und ein solcher Herr darf nicht Verhöhnen. Nun könnte man sagen, er ist legitimiert als Direktor unserer Bank; das aber erst recht nicht. (Lebhafter Beifall.) Wenn Cowen, den jetzt Mr. Greenberg den besten Direktor nennt, über Warburg lacht, so muß ich zwei Ziffern reden lassen. Warburg verfügt über 50 000^ und Cowen über 5V2 Millionen in England und IV2 Millionen in der Anglo Palestine Co. und in der Anglo Levantine Banking Co. auch über 1 Million, zusammen also über 8 Millionen. Wenn wir sehen, was Warburg mit diesen 50 000 Jt geleistet hat, so sage ich eines: Der zuletzt lachen wird, wird Warburg sein. (Lebhafter Beifall.) Ich muß mich mit einigen Äußerungen, die gestern von dieser Stella von Herrn Dr. Nor da u gefallen sind, befassen. Herr Dr. Nord au sagte: