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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 58

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 58 (sequence 58)
Language
German, English, Hebrew
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— 58 — Delegierter Abg. Stand: Ich möchte mit einem Worte nur sagen: die Debatte ist bis jetzt absolut nicht erschöpft. Ich bin der Ansicht, daß wohl die erste Hälfte des Antrags Bentwich angenommen werden soll, daß die Rednerliste geschlossen werde, daß aber wenigstens noch 4 bis 5 Redner gehört und dann erst die Debatte geschlossen werde. (Mehrere Delegierte melden sich zum Wort.) Präsident Dr. ftordau: Darüber kann keine Debatte stattfinden. Es ist vorgeschlagen, daß die Liste der Redner geschlössen werde, unbeschadet des Rechtes der eingetragenen Redner, das Wort zu nehmen. Diejenigen, die dafür sind, daß die Liste geschlossen werde, mögen die Hand erheben. Delegierter Temkin übersetzt ins Russische. Präsident Dr. Nordaii: Diejenigen, welche dagegen sind, wollen die Hand erheben. (Temkin übersetzt ins Russische.) — Nach einer Pause: Die Liste der Redner ist geschlossen. Delegierter Reichsratabgeordneter Stand (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt): Hoher Kongreß! Bevor ich das Wort ergreife, muß ich eine Pflicht erfüllen, indem ich den hohen Kongreß im Namen des Jüdischen Klubs des österreichischen Parlaments auf das herzlichste begrüße. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Der Jüdische Klub des österreichischen Parlaments blickt mit Stolz auf dieses jüdische Parlament und erwartet sehr viel von ihm, es ist das stärkste Lebenszeichen unserer Nation, wenn Hunderte von Menschen von verschiedenen Seiten der Welt kommen, nicht um ihre eigenen Interessen zu beraten, sondern um die wesentlichsten Lebensinteressen des jüdischen Volkes zu besprechen. Ich komme nun zur Sache selbst. Auf der Tagesordnung steht der Bericht des E. A. C. Ich will diesen Bericht einer Kritik unterziehen. Es gibt eine persönliche und eine sachliche Kritik. Ich werde nicht persönlich werden, weil das weder meiner Natur entspricht, noch auch, und das ist wichtig, der Würde des Moments, der Würde dieses hohen Hauses. Ich verstehe unter persönlicher Kritik, wenn man am schärfsten über die Person unseres Präsidenten spricht. Da gibt es zwei Wege. Wenn ein Redner vom Präsidenten sagt, er hätte weder Herz, noch Gemüt, noch eine Tasche, dann heißt es, ihn fortzuschaffen. Wenn man üb eiserne Vorzüge und seine Mängel spricht, so ist es unwürdig unserer Partei, unangemessen, ihn zu einem schwachen, untätigen Menschen zu stempeln und ihn dann doch auf den vertrauungswürdigsten Posten zu stellen, der uns zur Verfügung steht. (Lebhafte Zustimmung.) Meine Kritik ist eine nein sachliche. Es gibt noch eine andere Kritik, eine produktive und eine unproduktive. Die unproduktive Kritik ist die generelle Nörgelei, das Abkanzeln, es ist ein negativer Standpunkt, der alles verhöhnt. Es gibt aber auch eine produktive Kritik, welche sagt, was schlecht und unrichtig ist, aber an dessen Stelle etwas anderes setzt. Und mit dieser sachlichen, produktiven Kritik komme ich nun zur Sache selbst. Wenn wir uns das Drei-Männer-Kollegium .anschauen, so sehen wir ein Prinzip, das wir bemängeln müssen: Es herrscht unter diesen drei Herren ein vollständiger Mangel an Einheitlichkeit, und darunter leidet die Bewegung. In unserm Zionismus gibt es zwei Strömungen, die eine ist politischer, die andere praktischer Natur. Ich weiß nicht, ob die Bezeichnung richtig ist. ich glaube es nicht. Aber das ist gleichgültig, ich werde der Form nach mich an diesen Namen halten. Wir sehen, wie ich schon gesagt habe, einen Mangel an Einheit. Wenn wir uns die Personen ansehen, so ist Wolffsöhn ausschließlich politischer und War bürg ausschließlich praktischer Zionist. AVenn es andere Herien waren, so könnten sie einander ergänzen, sie müßten ja nicht alle derselben Ansicht sein. Aber wenn wir ihre zweijährige Tätigkeit betrachten, so ergibt sich der traurige Zustand, daß diese Herren einander nicht ergänzen, sondern sich gegenseitig aufheben. Was der eine will, bekämpft der andere, was der eine tut, will der andere nicht anerkennen. So z. B. nennt sich unser Präsident politischer Zionist. Es ist mit dem Zionis-

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