Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 56)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 56 — bin zu protestieren, — wenn dort auch Zionisten sind, die Kritik üben können an der Tätigkeit der hohen Herren hier, so soll man uns auch das Hecht geben, unsere Meinung zu sagen. Es gibt eine öffentliche Meinung in Palästina, die soll befragt werden, und nicht einzelne hohe Herren. (Lebhafter Beifall.) Gewiß kann ja unsere hohe Regierung nur Vertrauen zu einem oder zwei Herren haben. Wir sehen, wir haben dazu die Leute, wir haben Direktoren der Bank und des Palästinaamts. Glauben Sie aber, daß die Meinung von ein oder zwei Herren maßgebender ist als die Meinungen von Versammlungen? Man lacht über uns, daß wir in Palästina zu viel Versammlungen haben. Wir wissen selbst, daß es fruchtlos ist, Versammlungen abzuhalten, sowie es manchmal fruchtlos ist, über die Leitung des A.-C. zu sprechen. (Rufe: Zur Sache!) Das gehört wohl zur Sache. Das ist Ihre persönliche Meinung. (Unruhe) Wenn der Herr Präsident findet, daß ich nicht zur Sache spreche, wird er mich gewiß darauf aufmerksam machen. Wenn man in Palästina über unsere Arbeit jemanden fragen würde, würden Sie schöne Sachen hören. Das sind nicht Verleumdungen. Das sind vielleicht Mißverständnisse. Man spricht alles mögliche vom Nationalfonds. Wir erhalten doch keinen Bericht und geben den letzten Pfennig her, ohne zu wissen,'wozu das Geld verbraucht wird. Man spricht von der Bank. Was hat die Bank für Handel und Industrie getan? Sie hat eine Fabrik, die vielleicht arbeiten wollte, erwürgt und hat das Geld aus den Taschen verschiedener armer Leute genommen, um ihre Dummheiten zu decken. (Große Unruhe.) Präsident Wolffsohn: Herr Kohan-Bernstein, haben Sie gesagt: erwürgt? Delegierter Dr. Kohaii-Bernsteiii: Ja, das sagte ich. Präsident Wollfsohii: Das wollte ich nur wissen. Delegierter Dr. Eoban-B ernst ein: Wozu dient unsere Bank in Palästina? Die Bank in Palästina wurde dazu geschaffen, um die kleinen Leute aus den Händen der Wucherer zu befreien, sagt man, damit sie zur rechten Zeit billigen Kredit bekommen. Am Ende stellt sich heraus, daß die hohen Prozente, die die Palästinenser zahlen müssen, dazu verwendet werden, um die großen Kosten der Leitung in London zu decken (Zustimmung). Man sagt, daß die Bank in Palästina eine Art Schwamm bildet, der die letzten Pfennige aufsaugt und dazu verwendet wird, die enormen jährlichen Kosten zu decken, die in allen Zweigen der Tätigkeit verbraucht'werden. (Beifall, Widerspruch und Unruhe. Präsident Wolffsöhn: Unglaublich!) Ich glaube, der Sache kann nur dadurch geholfen werden, wenn wir, — und das schlage ich als Resolution von Jaffa und Jerusalem vor, — 1. in Palästina ebenso wie in den andern Ländern das Recht einer Ländsmannschaft bekommen. (Beifall.) Ich fordere im rechten Augenblick alle Delegierten auf, tapfer dafür zu stimmen, daß man Palästina nicht in die Reihe von Ausnahmeländern stellt, die keine Landsmannschaft und kein Landeskomitee haben; 2. bestehe ich darauf, und das gehört gleichfalls zur Resolution von Jaffa und Jerusalem,:—daß Palästina ständig in Kontakt mit unserer Regierung stehen soll, und daß zur Ermöglichung dieses Ziels dort auch ein Mitglied des E. A. C. unbedingt seinen Sitz haben soll. (Präsident Wolff söhn: Aha!) Dieses „Aha" von oben deutet eine Anspielung höherer Art an. Es deutet an, daß ich dieses Mitglied des E. A. C sein möchte. Es ist aber nicht so gemeint. Und endlich, wenn jemand etwas schaffen will, will er aüch eine Position einnehmen, ebenso wie der Präsident des E. A. C. nach der vernichtenden Kritik seine Position beibehalten will. (Große Unruhe.) Wir wünschen, daß auch aus Jaffa und Jerusalem der elektrische Strom mit dem Strome, der aus dem Exil kommt, verbunden sein soll. Das ist nur dann möglich, wenn wir dort jeden Augenblick gehört werden können, wenn auch von uns jemand zum Rate berufen wird. (Beifall und Schlußrufe, große Unruhe.) Präsident Dr. Nord au: Wenn Sie keine Ruhe, halten, hebe ich die Sitzung auf. Inmitten des Tumults können wir nicht beraten. Ich bitte um Ruhe. Vor zehn Minuten habe ich geurteilt, daß es der Meinung des Jvongresses