Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 55)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 55 — Präsident Dr. Nonlau (unterbrechend): Ich bitte, Ihre Plätze einzunehmen und dem Redner die Ruhe zu verbürgen, da ohnedies die Akustik des Saale* zu wünschen übrig läßt. Delegierter Dr. Eoban-Bernstein (fortfahrend): Die Masse verschiedener Aufgaben, die sich die zionistische Leitung vornimmt, hindert sie, sich auf einen gewissen Punkt, der der wichtigste ist, zu konzentrieren. Ich bin nicht derjenige, der sich auf ein schmales Programm, bloß auf rein praktische Arbeit beschränken will, ich bin ein politischer Zionist. Ich glaube aber, wichtig ist nur, was im Zusammenhange mit der Politikin Erez Israel ist. In Palästina wächst ein ganzes Leben, das trotz der verschiedenen Herren unserer Leitung sich weiter entwickelt. Ich frage Sie: Wieso kann man in dem Berichte so wichtige Mitteilungen auslassen, wie über die Zahl derer, die nach Palästina kommen und dort Ländereien ankaufen, und über den großen Fortschritt, den die jüdische Einwanderung zeigt? Über die Emigration besitzen wir gar keine Ziffern. Der Delegierte von Saloniki wird wohl darüber einen Vortrag halten, aber dies sollte doch auch von Seiten des Aktionskomitees geschehen. Wie steht es mit der zionistischen Bewegung in Palästina? Wir finden darüber keine Mitteilung, und es zeigt sich kein Fortschritt in dieser Richtung. Wenn aber schon kein Fortsehritt zu konstatieren ist, so sollte doch auch bekannt werden, daß dort eine antizionistische Bewegung bestellt. Wir haben dort eine Informationsquelle, ein Palästinaamt, die das Leben registrieren müssen, und auf dem Gebiete der Kulturarbeit ist auch viel zu konstatieren. Warum steht hier kein Wort, daß die Misraehi in der Kulturfrage in Palästina eine besondere Stellung eingenommen haben? Es ist doch eine Sache, mit der man rechnen muß, daß von dort aus viel«1 Schulen gegründet werden. Wie ist es zu erklären, daß eine Tatsache, wie das Aufblühen des Hebräischen Gymnasiums hier mit keinem Worte erwähnt wird? Das sind alles Anzeichen, daß unsere Leitung mit den Ergebnissen des jüdischen Lebens im Nachtasyl sich zu viel und in Palästina zu wenig beschäftigt. Wir haben kein Zeichen des Auflebens des jüdischen Volkes im Bericht. Wir werden einen Bericht über die Bank hören, Zahlen und Ziffern, die auf Leute, die dies nicht gut verstehen, einen guten Eindruck machen. Aber ich frage Sie, welche Rolle spielt die Bank in Palästina? Das fehlt im Berichte, und wie die Bank wirklich in Palästina wirkt, davon hören wir nichts. Palästina ist eigentlich ein leerer Bogen und dies ist kein Zufall, das ist charakteristisch. Man konnte nicht vor den Kongreß treten mit einem leeren Bogen über die gesamte Bewegung, aber wohl über Palästina. Ebenso geht es mit lebendigen Werten. Wer nach Palästina geht, ist für den Zionismus verloren, der heutige Zionismus ist für das Nachtasyl, aber nicht für Palästina geschaffen. (Beifall und Unruhe.) Wenn eine energische Kraft nach Palästina geht, um dort Arbeit zu machen, wird sie vollkommen lahmgelegt, in der zionistischen Meinung wird sie entkräftet und durch unsere zionistischen Institute gelähmt. Unsere zionistischen Kaufleute müssen sich dort bücken, um einen kleinen Kredit zu bekommen. Niemand wird dort so angefeindet wie die Zionisten, die nach Palästina kommen. Ich selbst habe einen Eindruck bekommen, wonach 9/io der aktiven Energie in Palästina verloren geht dank unseren zionistischen Instituten, Vio bleibt vielleicht für die aktive Arbeit. (Beifall bei einem Teile der Delegierten.) Wenn Touristen, wenn hohe Herren das Land durchreisen auf Kamelen, Pferden oder der Eisenbahn und berühmte Bücher über Palästina schreiben, und man sie fragt, ob sie schon eine Vorstellung haben darüber, wie es wirklich in Palästina zugeht ... Präsident Dr. Nordau (unterbrechend): Die zehn Minuten Ihrer Redezeit sind um. (Lärm und Widerspruch und Rufe: Weiterreden!) Der Kongreß wünscht, daß dem Redner die Redezeit verlängert wird. (Beifall.) Delegierter Dr. Kohan-Bernstein (fortfahrend): Wenn wir schon jetzt Elemente in Palästina haben, die nicht ausschließlich aus Schnorrern bestehen — es ist dies überhaupt eine falsche Vorstellung, gegen die ich bevollmächtigt