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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · page 54

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 54)
Language
German, English, Hebrew
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II. TAG Montag, 27. Dezember 1909 VORMITTAGS-SITZUNG BEGINN: 1020 Uhr Präsident Dr. Nordau: Die Sitzung ist eröffnet, die Herren Delegierten "bitte ich Platz zu nehmen und möglichst auf Ihren Plätzen zu bleiben, Namentlich ersuche ich den Mittelgang freizulassen. Unsere Zeit ist außerordentlich beschränkt. Sie erleichtern den Gang unserer Arbeiten, wenn Sie sich möglichst der Ruhe befleißigen und die Redner in Stille anhören. Ks sind noch 71 Redner zur Generaldebatte eingetragen und jeder wird Gelegenheit haben, seine Meinung auszudrücken. Diese Meinung kann von der Rednertribüne viel besser zum Ausdruck gebracht werden als durch ZwischennilV und Lärm, und . die Debatte gewinnt an Ruhe und Ordnung, wenn Sie sich der Zwischenrufe enthalten. Ich erteile nun das Wort Herrn Dr. Kohan¬ Bernstein. Delegierter Dr. Kohan-Bernstem: Es ist ziemlich schwer zu sprechen über das, was man will, wenn man in der Zeit so beschränkt ist. Ich Averde mich bemühen, ganz kurz die Postulate aufzustellen, welche ich für notwendig halte. Für uns kommt es bei der Kritik nicht auf die Personenfrage an. sondern auf das System. Wenn man diesen ganzen Bericht des A. C. durchliest, findet man, daß er sehr schön ist, besonders schön stilisiert; wir finden alles mögliche über alle Lebenserscheinungen, die in der jüdischen Welt vorgekommen sind in der Zeit von 2 Jahren 4 Monaten. Ob die Grundlage all dieser Erscheinungen in unserer Bewegung liegt, ist fraglich; darin liegt auch der Fehler unseres heutigen Systems. Der Rahmen des Baseler Programms, an welchem wir noch lange festhalten werden, ist so breit, daß es möglich ist, die ganze Tätigkeit der Juden, nur nicht die assimilatorische, in diesen Rahmen hineinzustellen. Es gibt keine Seite des jüdischen Lebens, die in diesen Rahmen nicht hineinpaßt. Überall finden wir Phrasen von Erez Israel, das sind aber schon abgedroschene Phrasen. Man schämt sich, wenn man diese Phrasen immer wieder hört. Tin Berichte selbst findet man, daß die Frage des Nachtasyls viel weiter behandelt wird als die Fragen, die sich auf Palästina beziehen, die im1 Berichte als Endzweck bezeichnet werden. Die ganze Art und Weise des Berichtes erinnert mich an den Leitfaden der Geographie, welcher an den russischen Schulen verbreitet ist. Es wird erzählt von allen Völkern, die dort leben, und amEncle stehen endlich die Juden und Zigeuner. Auch bei uns wird von allen Erlebnissen gesprochen, nur vor Palästina macht man erst am Schluß sein Kompliment. Das Aktionskomitee sagt selbst, daß Palästina, wie die guten Sachen immer, am Schlüsse kommt, und doch ist Palästina der Endzweck. Wir haben nur Palästina im Auge und im Berichte nimmt Palästina nicht soviel Raum ein, als es in Wirklichkeit der Fall ist. Eine ganz kleine Kolumne unter „Miszellen" findet man im Berichte über Palästina. In ein und derselben Rubrik wird über das 60jährige Jubiläum von Dr. Nordau, über Palästina und über die Feier in Kattowitz berichtet. Ich frage, ob es denn unmöglich war, alles in ein System zu bringen, was in Palästina vorkommt, damit der Kongreß einen Überblick gewonnen hätte,, ob in Palästina Neues geschaffen wurde. Unruhe.)

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