Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 45 (sequence 45)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 45 — wurden. Es war eine schwere Zeit und eine schwere Aufgabe und wir worden es in der Geschichte des Zionismus den Männern danken müssen, die uns. das, was wir erworben, auch erhalten haben. (Lebhafter Beifall und Rändeklatschen.) Nachdem ich diese Worte der Anerkennung vorausgeschickt habe, glaube ich wohl, daß die Herren, gegen die sich mein kritisches Wort zu wenden haben wird, die Uberzeugung gewonnen haben, daß mir jede Gehässigkeit fern liegt, und sie werden mir wrohl gestatten, daß ich auch ein Wort der ernsten Kritik an diesen Bericht knüpfe. Ich muß sagen, es ist wohl manches geschehen, es ist aber, nichts getan worden von Seiten derjenigen, die berufen waren, das alles zu tun. Sehen wir uns die Sache näher an. Wenn wir uns fragen: Was ist mit unserer Organisation seit Herzls Tod»« geworden, werden wir wohl sagen müssen, es ist eine Zeit der Stagnation, eine Zeit des Niederganges überwunden worden. Heute befinden wir uns wieder in einer ansteigenden Linie. Das werden wir wohl sehr gerne und mit großer Freude gestehen müssen; allein, wenn wir heute irgend etwas unternehmen, und einen Appell an die große jüdische Masse richten, und wir finden keine Kesonanz bei der jüdischen Masse, dann frage ich: \v<> ist der alte Schwung der Herzischen Zeit geblieben? Wo ist der alte Geist Herzls hin? Wie kommt es, daß wir damals die Schwungkraft hatten, große Volksmassen ins Köllen zu bringen, während wir sie heute nicht haben V Ich werde Ihnen sagen, woran das liegt. Das liegt daran, daß wir im E. A. C. keinen einheitlichen Willen haben, weil man dort nach rechts und nach link* zieht, weil wir nicht diesen großen, imposanten, einheitlichen Willen haben, den Herzl aufgebracht hat, und mit dem allein man Massen ins Rollen bringen kann. Das haben wir nicht. Ich will Ihnen ein Beispiel anführen. Sie erinnern sich an die große Zeit, wo man die Bank gegründet hat: Herzls großer Wille riß die Massen mit sich fort und die Bank erstand — für Palästina. Als Gefahr drohte, daß uns nach Palästina nichts mehr von der Bank hinüberkoirimt, aber ganz besonders als die unglückselige Territorialbewegiing einsetzte, war man bemüht, die Fonds, die für Palästina gesammelt wurden, auch nach Palästina zu tragen, und so gründete man die A. P. C. Und wissen Sie, meine Herren, daß man die Gründung dieser Bank erst den Parteileitern abtrotzen mußte? Gewiß, heute steht die Sache so, daß das Aktionskomitee uns in seinem Berichte dies als große Aktivpost ausweist. Aber es ist eine Aktivpost, die gewissermaßen von der Opposition von damals erzwungen wurde. Ich will noch weitergehen. Mir liegt es sehr ferne, innerhalb des E. A. C. ein Mitglied gegen das andere und gegen die anderen ausspielen zu wollen: diese Geschmacklosigkeit mache ich nicht mit. Für mich persönlich und für den Kongreß als Ganzes ist einmal das E. A. C. eine einheitliche solidarische Körperschaft mit solidarischer Verantwortlichkeit. Wir werden es also nicht in der Weise machen können, daß wir einfach, wie mein Herr Vorredner es getan hat, mit Fingern hinweisen und sagen: Herr Professor Warburg ist der einzige, der etwas getan hat. Wir wollen sagen, es haben manche manches, aber privat zu machen versucht. Als man aber daran ging, die P. L. D. C. zu gründen, was haben wir darüber in der „Welt" gelesen? Hat man sich mit einem Appell an die große Öffentlichkeit gewendet, und hat man gesagt: das soll eine große Tat werden? Das ist nicht geschehen. Bloß einen lendenlahmen Aufsatz haben wir in der „Welt" über die P. L. D. C. gelesen. Was folgt daraus? Daraus folgt: daß im E. A. C. der starke, einheitliche Wille fehlt. Man will bei uns in letzter Zeit wohl vieles, aber nicht viel. Man will bei uns vielerlei. Man greift da und dort etwas an, aber man führt nichts zu Ende. Und so kommt es, daß man 1 Million nicht aufbringen kann, während man früher 5 Millionen in einem Jahre aufbrachte. Damals war man von einem Willen beseelt. Heute wird alles zerstückelt. Es ist heute in der Kritik, die hier vorgebracht wurde, viel zu viel auf die Rede unseres nunmehrigen Präsidenten