Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 40)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 40 — Widerspruch, Gelächter und Eufe: Unerhört!), und wer auf einem frühern Kongreß sieh erlaubt hätte, an dem Charterprogramm zu rütteln (Eufe: Trietsch tat es), den hätte man von der Tribüne hinuntergeworfen. (Zwischenrufe.) Nord au will nicht amtlicher und nicht halbamtlicher Verteidiger der Leitung sein; er war mehr als beides, er war außeramtlicher Verteidiger der Leitung. (Teilweise Zustimmung.) Seine Autorität ist so groß, daß es schwor ist, jetzt nach seiner außeramtlichen Verteidigung die Leitung zu kritisieren. Ich spreche nicht in meinem Namen, sondern, wie ich überzeugt bin, im Namen der Majorität des Kongresses. (Stürmischer Widerspruch.) Vor allem bin ich unzufrieden mit der Organisation des Kongresses selbst, aus folgenden Gründen: Der Kongreß wurde so organisiert, daß wir tatsächlich, wenn wir das Programm der Verhandlungen ansehen, einen Redekongreß haben sollten. Ich frage Sie, wo finden Sie im ganzen Programm einen einzigen schöpferischen Gedanken, wo finden Sie einen Punkt, an den Sie etwas anknüpfen können, wo etwas Neues, das innerhalb und außerhalb des Zionismus vorgekommen ist, wo finden Sie etwas, wo Sie außer Reden, — es mögen ja schöne Beden sein, — etwas schaffen können? Da heißt es: Bericht, Generaldebatte, Sie sollen sprechen, so viel Sie wollen, dann kommt: Bericht, Bericht, Bericht. Es ist nicht einmal Platz für eine Debatte. Wenn man auf dem Kongreß des Dr.Herz 1 debattiert hat, pflegte immer etwas zu kommen, was vom Kongreß als Losungswort auf die Massen wirkte. Man hat den Kongreß heuer so-organisiert, daß er nicht einmal zusammenfällt mit der Beratung unserer Bank. Wie Sie wissen, hat die Generalversammlung unserer Bank schon früher stattgefunden; so führt man bei uns ein System ein, das mich an Rußland erinnert; dort verpanzert die Regierung das Budget und gibt nur unwesentliche Teile desselben an die Duma, in das andere hat sie nicht hineinzureden. Hier ist die Bank, da ist nichts dreinzureden, vom Nationalfonds ist nichts zu sagen; über Palästina werden Sie einen Bericht bekommen, aber etwas Tatsächliches, etwas Schöpferisches haben Sie im ganzen Programm nicht. (Lebhafte Zustimmung.) Meine Damen und Herren! Im vorigen Jahre haben Sie auch Ihre Unzufriedenheit ausgesprochen, und trotzdem war ich derjenige, der selbst beantragt hat, dem Präsidium das Vertrauen auszusprechen. Ich sagte mir: Wir wollen vor allem den Führern noch 2 Jahre Zeit geben; im ersten Jahre nach Herzls Tode war ja die Situation sehr schwierig; wir wollen die Führer nun an der Arbeit sehen. Als unser verehrter Präsident Wolffsohn mit 132 gegen 59 Stimmen zum Präsidenten gewählt wurde, erklärte er: Ich werde mich bemühen, auch die Zufriedenheit dieser 59 zu gewinnen (Zurufe: Ist geschehen!). Wir werden sehen, ob das Vertrauen dieser 59 gewonnen ist. Wollen Sie folgende Frage beantworten: Wo fühlten Sie während dieser 2l/2 Jahre die Zentrale? Da muß man antworten: nirgends. Wo haben Sie gespürt, daß Sie eine Leitung haben, die eine Richtung hinausgibt, die auf die Tätigkeit Einfluß hat? (Einerseits Beifall, auf der andern Seite: Lebhafter Widerspruch und Rufe: Wir haben es gefühlt.) Wo finden Sie Herzls Gehirn, Herzls aufopferndes Herz und Herzls eisernen Willen, wo finden Sie eine Spur der Leitung? (Beifall und Händeklatschen — Widerspruch.) Ich erinnere mich, in einer Sitzung sagte ein Herr, der nicht gerade zu meinen nähern Freunden gehörte, Herr Josef Cowen: „Wo ist der politische Gedanke? Man fühlt nichts, man sieht nichts." Leider muß ich öffentlich sagen, daß wir während der 2*/2 Jahre von der Leitung nichts gefühlt haben. (Zischen und Widerspruch einerseits, Beifall anderseits.) Ich will Ihnen sagen, was Sie fühlten. Vor allem hat man uns während der 2 */» Jahre die gelbe „Welt" gegeben, das war das erste Zeichen; obwohl der Präsident auf dem letzten Kongreß gesagt hat, er wolle die „Welt" in ein rein offizielles, geschäftliches Organ verwandeln, trotzdem existiert sie in der alten Form weiter. Ich schätze und verehre Herrn Sokolow, —ich meine aber, daß er für viel wichtigere Dinge da ist, ich muß ihm sagen, daß die gelbe „Welt", die innerhalb 2^2 Jahre von ihm