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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 41

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 41 (sequence 41)
Language
German, English, Hebrew
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— 41 — redigiert wurde, nicht viel Leute befriedigt hat; ich kann ihm sagen, daß von der „Welt" die letzten 4 oder 6 Seiten gelesen werden, nämlich die Mitteilungen über den Nationalfonds, die Berichte über das Einkommen; das übrige war in dilettantischer Weise gehalten, so daß es weder der intellektuellen Gruppe, die neue Gedanken sucht, gerecht wurde, noch der Mass*-. Das zweite hochwichtige Ereignis war, daß einige Monate vor dem Kongreß die Räume des Zentralbureaus von Karolingerring 6 nach Karolingerring 31 verlegt wurden (Lebhafter Widerspruch und Pfui-Rufe einerseits. Bravo anderseits). Präsident Dr. Nordau: Ich bitte die Herren Delegierten, ihre Plätze einzunehmen und den Mittelgang frei zu lassen. Delegierter Dr. Pasmanik (fortfahrend): Eine dritte Tat, wo wir die Zentralleitung fühlten, war eine Reise unsers Präsidenten nach Petersburg (großer Lärm und Zurufe) . . . ich bitte, Herr Präsident, mir Ruhe zu schaffen .... merkwürdiger Weise machte unser Herr Präsident eine Reise nach Rußland in einer sehr trüben Zeit, einer für das Judentum sehr furchtbaren Zeit, ohne sich nur mit dem russischen Aktionskomitee zu beraten, ob es opportun war, ob es nicht vielleicht eher schaden als nützen könnte (Lärm, Widerspruch und Pfui-Rufe einerseits, Bravo anderseits). Wi<> konnten Sie einen solchen Schritt unternehmen? Herr Wolffsohn hat sich in seine Präsidentenstelle so hineingelebt, daß er viel despotischer auftritt, als seinerzeit Dr. Herzl. (Zwischenrufe.) Und dann kam die Reise nach Konstantinopel; was eigentlich auf dieser Reise, und ob etwas gemacht wurde, ob nichts geschehen ist, darüber hörten wir sehr wenig. Das ist alles, was ich von unserer Leitung seit dieser Zeit hörte. Nun frage ich nach diesen großen Ereignissen, nach all dem. was in Rußland, was in der Türkei, was sich in aller Welt, im Judentum gezeigt hat, nachdem in aller Welt im Judentum sich große Strömungen zeigten, die wir zusammenfassen könnten in die Worte: „Streben nach kolonisatorischer Tätigkeit", nachdem im ganzen Judentum eine gewisse Hebung des Nationaltums sich zu zeigen beginnt . . . ich frage Sie: Wie stellen Sie sich in diesem Momente Dr. Herzl vor, wie ganz anders wTürde alles gegangen sein, wenn es jetzt einen Dr. Herzl gäbe, wenn wir eine bewußte Leitung hätten? Wissen Sie, was wTir hätten, wenn Dr. Herzl noch am Leben wäre? Wir hätten eine ihrer Verantwortung bewußte Leitung, die Gedanken, Gefühl und Willen hätte. Ich werfe der jetzigen Leitung vor, daß sie keine einzige dieser drei Eigenschaften besitzt. (Ruf: Wollen Sie es besser machen?) Ich bin kein Präsident und prätendiere nicht, es zu werden. (Ruf: Dann kommen Sie nicht mit Vorschlägen! — Große Unruhe und Zwischenrufe — der Vorsitzende mahnt zur Ruhe.) Daß wir keine leitenden Gedanken hatten, und daß die Leitung uns keinen leitenden Gedanken gab, werden Sie alle zugeben. Sie mögen da schreien, wie Sie wollen; aber Sie müssen sich sagen, daß kein einziger leitender Gedanke vorhanden war. Im Zionismus ist aber tatsächlich ein Moment eingetreten, wo wir irgendeinen neuen Gedanken schaffen müssen. Der erste Gedanke Herzls war es, der Masse ihre Lage klarzumachen, damit sich dieselbe unter das blau-weiße Banner versammelt, und wenn das Volk versammelt ist, wird es sein Ziel erreichen können. Wir haben während 9 Jahren diesen Gedanken immer fortentwickelt und haben dementsprechend gehandelt:. Und, m. H, ohne uns zu täuschen, müssen wir sagen, daß dieser Gedanke zu etwas geführt hat. Aber wir sind mit diesem Gedanken zu Ende. Wir müssen uns klarmachen, daß wir heute auf demselben Boden stehen, daß wir keine neuen Kräfte erwerben werden, daß wir unsere Organisation nicht vergrößern werden. Täuschen wir uns nicht, — ich sage es ganz offen heraus — unsere Organisation ist jetzt etwas schwächer, als sie voriges Jahr war; auf dem vorigen Kongreß war sie schwächer, als sie auf dem vorvorigen Kongreß war. (Widerspruch.) Nur wenn man die Krankheit erkennt, kann man sie heilen;

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