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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 38

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 38 (sequence 38)
Language
German, English, Hebrew
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— 38 — der immer wieder sagt: gebt für die Allgemeinheit, so sind selbstverständlich hunderterlei Gelegenheiten da, wo man dies sehr gern tut. Andere Gelegenheiten aber sind da, wo man dem Manne sagt: Du kannst nicht 12 K. geben, um einen Share zu zahlen, wohl aber eine. Wenn wir von einem Distriktskomitee kommen und man sagt: hier ist ein kleines Stückchen Papier, ein Bon, wenn du 1 K., 1 Jt oder 1 $ gibst, und wenn du das zwanzigmal getan hast, hast du eine Aktie, bist also Mitbesitzer am heiligen Boden, so meine ich das nicht für die eigene Person, sondern für viele andere, daß wir dann das Geld, das wir lange nicht in der Höhe bekommen, als wir erwarten, bekommen würden. Ich will Ihre Geduld nicht länger in Anspruch nehmen; ich danke vielmehr, daß Sie mir so lange zugehört haben. Ein ganzer Komplex von Fragen teils kritischer, teils positiver Natur wären vorzubringen; aber ich danke dem Präsidium, daß es mir außerhalb des Statuts erlaubt hat, das Wort zu ergreifen, und begnüge mich damit, auch wenn Sie den zweiten Teil nicht akzeptieren, den ersten Teil bezüglich der Sektionen im Kongresse Ihnen nochmals wärmstens ans Herz zu legen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Präsident Dr. Nordau: Herr Professor Dr. Kellner hat es als einen Beweis unserer besondern Verehrung für seine Person zu betrachten, daß ich ihn seine Ausführungen habe beenden lassen. Damit aber dieser Fall nicht von andern Eednern als Präzedenz angerufen werde, stelle ich ausdrücklich fest, daß Herr Professor Kellner aus dem Rahmen der festgelegten Tagesordnung herausgetreten ist und Gegenstände erörtert hat, die nach der Auffassung des Präsidiums, wie Herr Prof. Kellner übrigens selbst empfunden und ausgedrückt hat, zum Teil zum Bericht über den Jüdischen National-Fonds, zum Teil zur Debatte über das Organisationsstatut gehörten und jedenfalls jetzt wenigstens technisch nicht am Platze waren. Wir treten nach dieser Abschweifung wieder in die Geschäftsordnung ein, und ich erteile Herrn Dr. Pasmanik das Wort. Dr. Pasmanik (mit Beifall begrüßt — Unruhe): Hoher Kongreß! Meine Damen und Herren! Beklommenen Herzens betrete ich diese Tribüne. Wir sind in einer neuen Stadt. Wir sind vor Zuhörern, die vielleicht bis jetzt noch vom Zionismus nicht viel hörten, und da wäre es sehr wünschenswert, und es wäre mir sehr angenehm, wenn wir vor ihnen ein Bild in hellen Farben, ein harmonisches Bild des Zionismus darbieten könnten. Es wäre mir ja so lieb, in den Hymnus einzustimmen und zu sagen: Alles ist bei uns so glänzend, alles ist bei uns so schön. Nun, meine Damen und Herren, leider sage ich Ihnen im voraus, ich werde eine ganz andere Note anschlagen und sage Ihnen: Ich werde hier die Stimme der Unzufriedenheit vernehmen lassen. Ich werde mich bemühen, ganz objektiv zu bleiben; aber icli sage Ihnen: Im Staate Dänemark ist nicht alles in Ordnung. Und wissen Sie, was der beste Beweis hierfür ist? Die Rede unseres hochverehrten Präsidenten Dr. Nordau! Wir waren bisher gewohnt, von Nordau Losungsworte, in Stein gehauene Gedanken hier zu bekommen, die dann vielleicht für ein Jahr hinaus den andern, den dii minores, Speise sind. Wir haben dann Gelegenheit, diese Gedanken zu verwässern und unter die Menge zu bringen (Heiterkeit). Diese Gedanken waren unanfechtbar. Heute zum erstenmal hat Dr. Nordau einen polemischen Ton angeschlagen. Zum erstenmal hat Dr. Nordau seine Rede, und zwar die erste Hälfte seines Vortrags, fast ausschließlich der Polemik gewidmet. Herr Dr. Nordau, in der ersten Hälfte Ihrer Rede haben Sie mit Windmühlen gekämpft. Wenn Sie da beweisen wollten, daß wir eine grunclstürzende Veränderung des Baseler Programms irgendwie vorschlagen wollen, so irrten Sie. Dann muß ich Ihnen ganz unbescheiden sagen, daß der einzige, der in der ganzen Presse eine Veränderung des Baseler Programms berührte, ich war. Aber, Herr Dr. Nordau, Sie hätten ihre Vorwürfe an eine ganz andere Stelle

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