Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 37

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 37 (sequence 37)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476272--3067-3479208
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 37 — will, aber es ist eine Tätigkeit ganz anderer Art, als jene, zu der man den jüdischen Geist braucht. Wo, frage ich, ziehen wir den jüdischen Geist heran, namentlich den, der in der Jugend schlummert? und da komme ich sofort zur Sache, indem ich sage: Wenn die Wissenschaft der Medizin wissen will, wo sind etwa die Geister vorhanden, die in der stillen Klause, am Schreibtische, im Laboratorium, im Seziersaal und anderswo gearbeitet haben und uns etwas zu sagen haben, wro finden wir diese jungen Leute, wo findet dieser Geist, der in der Stille gearbeitet hat, eine Stätte, wo er zur großen Menge der Gelehrten sprechen kann? Das geschieht auf dem Kongresse, nicht zur Zeit der Schaustellung, denn jeder Kongreß zerfällt ja in ein Schaustück, das ist die Generalversammlung im großen Saale, wo befugte Leute sprechen, und in die kleinen Nebenräume, wo gesprochen wird, wenn die große Versammlung nicht tagt; und die eigentliche Arbeit, die Offenbarung aller jungen Geister, die in der Stille etwas geleistet haben, findet in diesen Nebenräumen statt. Setzen wir den Fall, daß in den zahllosen kleinen Orten in Galizien, Rußland, Rumänien und Amerika, wo junge, jüdische Geister etwas zu sagen haben, nehmen wir an, daß diese junge Leute uns was wichtiges zu melden haben, wo sollen sie es offenbaren? In diesem Saale und bei dieser Gelegenheit nicht. Sie hören ja kaum einen Alten, wo werden Sie einen Jungen hören? (Heiterkeit) Für diese jungen Leute wäre die Anweisung auf die Nebenräume. Der Kongreß zerfällt, und hier beginnt mein Vorschlag, — also sachlicher kann ich nicht sein — der Kongreß zerfällt in die Tätigkeit, die wir heute seit 10 Stunden mit anhören und mit ansehen, und die selbstverständlich, wie ich schon gesagt habe, über jeden Tadel erhaben ist, die sich nicht wegdenken läßt vom Zionismus; dann aber muß ein Novum kommen, es müssen so viele Sektionen vorhanden sein, als scharfe Umrisse jüdischer, nicht nur zionistischer Fragen vorhanden sind. Jede dieser Sektionen hat ihren Ausschuß, an den sich die Leute ein halbes Jahr vor dem Kongreß zu wenden haben, wenn sie glauben, daß sie etwas zu sagen haben, und zwar, ohne sich auf Details einzulassen, in der Weise, daß der Betreffende, der eine Offenbarung hat, diese wenigstens skizziert im Ausschusse einbringt; und der Ausschuß, der inappellabel ist, hat zu sagen: hier ist ein Vortrag, der uns etwas bringt, das wieder ist ein Geschwätz. Im ersten Falle werden wir den Homo novus in eine Sektion einhaken, und wenn er etwas zu sagen hat, so ist hier jener Nachwuchs, den wir so notwendig brauchen, ohne daß wir ihn haben. Nun das Zweite, das Minderwertige: Wie ziehen wir das jüdische Geld heran? Ich weiß, daß Sie mir, wrenn ich auf den Nationalfonds kommen wollte, sagen würden, das gehört zum Punkte Nationalfonds; wollte ich über die Bank sprechen, so hätten Sie wieder das Recht zu sagen: Warten Sie, bis die Bank dran kommt. Aber ich wdll weder vom Nationalfonds, noch von der Palestin e Land Developement Company, noch von der Art sprechen, wie wir das Geld heranziehen, sondern ganz allgemein. Ich war z. B. neulich in Raclautz in der Bukowina, und die Klagen seitens der Reichen — denn nur um die paar handelt es sich — waren immer: Können denn wir sechs Leute, die hier sind, immer wieder angegangen werden, um Zehnerlei, um Zw^anzigerlei, um Dreißigerlei? Wo fängt es an und wo hört es auf? Sind wir Juden so widerwillige Geber? Nein! Aber wie geben wir und wie würden wir gern geben? Und da habe ich in zwei Worten meine Gedanken ausgesprochen. Wenn heute ein Mann imstande ist, eine Aktie der P. L. D. C. zu kaufen, so tut er es sehr gern, gleichviel, ob diese Aktie eine Dividende zahlen wird oder nicht, ob sie ihm die Hoffnung geben ward, daß er jemals ein Stückchen heilige Erde haben ward oder nicht. Er hat etwas schwarz auf weiß, er ist ein Mtbesitzer am heiligen Lande; er persönlich. Es ist sehr unsozial, sehr niedrig von ihm gedacht, aber es ist menschlich. Wrenn wir mit dem Nationalfonds kommen,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.