Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 35)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 35 — Der dritte Teil enthält den finanziellen Bericht. Dieser Bericht ist jetzt nach einem viel ausgedehntem Programm als die frühem Berichte verfaßt worden. Der Bericht enthält eine Übersicht über die Finanzlage der Gesamtorganisation und sämtlicher zionistischen Institutionen, wodurch er dem Leser die Möglichkeit verschafft, über die zionistischen Finanzen einen umfassenden und einheitlichen Überblick zu gewinnen. Es ist überhaupt eine sehr schwierige Aufgabe, Bericht zu erstatten über die zionistische Bewegung. Die Technik der Berichterstattung ist eine altbekannte Technik. Berichte werden nach der Schablone verfaßt und gewöhnlich befleißigen sich die Berichterstatter, so weit und so breit als möglich zu berichten. In einer ganz entgegengesetzten Lage befindet sich der Berichterstatter für eine Kongreßperiode zionistischer Tätigkeit. Hier besteht die Verlegenheit, nicht in der Knappheit, sondern im Überfluß des Materials, weil sich der Zionismus nicht abgrenzen, nicht in einen gewissen engen, bestimmten Kähmen einschließen läßt, weil das, was wir zionistischen Bericht nennen, anders und richtig genannt werden könnte: ein Stück Jüdischer Geschichte. Wir schreiben den Verlauf der Jüdischen Geschichte. Der Zionismus kann sich nicht auf einen isolierten Punkt stellen und kein einziges Ereignis, keine einzige Erscheinung im jüdischen Leben isolieren. Er kann es nicht unterlassen, seine Stellung zu allen möglichen Erscheinungen im jüdischen Leben zu präzisieren. Ich möchte noch auf einen wesentlichen Unterschied aufmerksam machen zwischen der früher üblichen Geschichtschreibung, wie sie in der jüdischen Literatur bekannt ist, und zwischen der Geschichtschreibung, deren Vorbilder und Proben die zionistischen Berichte sind. Die Jüdische Geschichte der letzten Jahrhunderte war reichhaltig, aber sie war keine Geschichte im richtigen Sinne des Wortes, es wTar eine Geschichte dessen, wTas die Juden erlitten haben, es war eine Geschichte des passiven Zustandes des jüdischen Volkes. Einige Juden wurden hier verfolgt, dort wurden sie geduldet, hier gewährte man ihnen Eechte und dort beraubte man sie derselben. Sie waren ein Objekt, an dem operiert worden ist, aber die Geschichte verzeichnet kaum das, was die Juden als solche eigentlich gewirkt haben. In dieser Eichtling sind die zionistischen Berichte die ersten Proben einer modernen Geschichte des jüdischen Volkes, und — alle Anfänge sind schwer — wir sind auf dem Wege der aktiven Geschichte; wir sind noch Anfänger, und bei Anfängern muß man sich begnügen mit dem bißchen, was geleistet wurde, und dem guten Willen, größeres zu leisten. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Präsident Dr. Nordau: Wir treten in die Beratung über den Bericht des Aktionskomitees ein, das Wort hat Herr Professor Dr. Leon Kellner. Delegierter Prof. Dr. Leon Kellner: Geehrter Kongreß! Ich versichere Ihnen, daß es mir selbst als Unbescheidenheit vorkommt, daß ich heute, da ich das allererste Mal einem Kongresse beiwohne, im Kongreß zur Tätigkeit des A.-C. das Wort ergreife, zumal in einer Form, die vielleicht gar nicht den Satzungen des Statuts entspricht. Ich habe mich früher mit den Herren am Präsidententisch beraten, wie ich es denn möglich machen könnte,^ einen bestimmten Gedanken zum Ausdruck zu bringen. Wir fanden den Eingängen einem Gesetze nicht, welches es mir formgerecht möglich machen würde, 3*