Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 32)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 32 — Ein anderer Kampfgenosse, der Ellbogen an Ellbogen mit unserm Führer in der Beihe stand, war Dr. Leopold Kahn, eines der Mitglieder unseres ersten Engeren A.-C. Auch ihn hat uns der Tod lange vor der natürlichen Beendigung seiner Lebensbahn entrissen. Wir haben von her vorragenden Weggenossen verloren, und zwar von deutschen Mitgliedern, Samuel Cohen in Hamburg, Schatzmeister des Kongreßbureaus. Grade heute findet seine Beerdigung statt. Nur eine höhere Pflicht, die Pflicht den Lebenden gegenüber, die uns immer vorangeht, hält uns davon ab, ihm persönlich die letzte Ehre zu erweisen. Wir verloren Gustav Tuch in Hamburg, Moritz Weil in Freiburg, Prof. Dr. Benno Badt in Breslau, Frau Kommerzienrat Helene Selten in Breslau, J. H. Scher ek in Posen, Samuel J. Brandt in Posen, Arthur Scb wabo in Varel, Bafael Bosenheim er in Frankfurt a. M., Benno Schutz in Zabrze, A. S. Pomeranz in Königsberg und die Eltern unseres Vizepräsidenten und Vorsitzenden des Nationalfonds, unsers lieben Freundes und Genossen Dr. Bodenheim er; Herr und Frau Bodenheimer wurden der Liebe der Ihrigen und unserer Verehrung früh entrissen. In England beklagen wir den Tod von Adolf Engländer, Jakob Bor man, Isaak Cohen, der tragisch einem Verbrechen erlag, da er einer Mörderhand zum Opfer fiel. In Büß 1 and verloren wir durch den Tod Jehuda Leib Epstein aus Wilna, Frl. Kitaewitsch aus Moskau, Boris Tschlenow (Moskau), einen Bruder unsers Vizepräsidenten und tapfern Mitstreiters Dr. Tschlenow, Israel Z a s s (Wilna), Moses B on i m (Pinsk), Bachel T o 1 ma tz k aj a (Kischine w), J. Ko ha n (Kowno), A. Wischn j a k (Odessa), Mi s ch e 1 o ws k y (Charbin); in O s t e rr e i c h Budolf N a s s a u (Wien)5in D än e m a rk Josef M i c h a e 1 s e n, Postmeister, einen der Begründer des Weltpostvereins und einen der wenigen dänisch geborenen Nationaljuden; in Amerika Dr. Adolf M. Bad in, einen der Vizepräsidenten der amerikanischen Förderation, Naftali Herz Imber, den Schöpfer der „Hatikwah", die ohne Abstimmung, aus dem Gefühl heraus, die Nationalhymne clor Juden auf der Wanderung geworden ist. Wir beklagen auch noch den Tod folgender Freunde unserer Sache, die zwar nicht offiziell Mitglieder unserer Organisation waren, uns aber stets ihre Sympathie zuwandten: des weltberühmten Forschers Cesare Loinbroso, Ignaz Brüll ('Wien), des bekannten Komponisten, Abraham Goldfaden, des Vaters des jüdischen Theaters, Ignaz Bernstein, des großzügigen Sammlers; in Ungarn Moritz Blau, Abauy Szäntö. Im heiligen Lande unserer Väter schlössen die Seinigen dem bedeutenden Nationalmaler Hirschenherg die Augen, der uns künstlerischen Buhm und kulturelle Förderung durch schöpferische Tätigkeit versprach. Die Poale Zion haben die ersten Opfer — so paradox es klingt, muß ich es sagen — des normalen Volkslebens gebracht, in dem auch Verbrechen, Zufälle und dgl. eine Bolle spielen. In Sedjera wurden Dow Schweiger, Israel Korngold und Schimon Melamed die Opfer eines mörderischen Überfalles durch arabische Nachbarn. Sie wehrten sich tapfer, erlagen jedoch der Überzahl, vergossen ihr Blut und ließen uns die tröstliche Gewißheit, daß gegebenenfalls die Unseren auch mit der Waffe in der Hand ihre Pflicht von Verteidigern der eigenen Scholle zu erfüllen wissen werden. Joscliu a Janowski-Bab in0witsch in Jerusalem wurde uns gleichfalls durch den Tod entrissen. Er war ebenso wTie Josef Stampfer Gründer der Kolonie Petach-Tikwah, einer der blühendsten, vorbildlichsten und am meisten versprechenden Kolonien. Ich habe noch die Namen Dr. Georg Arndts, des hochverdienten Präsidenten der Jüdischen Turnerschaft in Deutschland, und Schlome Melzers in Galizien zu nennen -und in unsere Trauer einzubeziehen. Ihnen allen ist unser treues Andenken sicher.