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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · page 31

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
…/3476254-3476272--3061-3479202
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I. TAG Sonntag, 26. Dezember 1909. NACHMITTAGS-SITZUNG BEGINN: 3'j-i UHR Präsident Dr. Nordau: Geehrter Kongreß! Ehe der Kongreß in seine weitere Tagesordnung eintritt, erfüllt er seine schwermütige Pflicht des Frommsinns, indem er in Liebe und Treue derjenigen gedenkt, die seit dem letzten Kongreß aus dem Leben abberufen worden sind, seiner eigenen Toten und derjenigen, denen wir für ihre G-esinnungen oder Taten Dank schulden. (Die Versammlung erhebt sich.) In Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog Friedrich I. von Baden verloren wir einen erlauchten Gönner unserer Bewegung und einen edlen Schätzer unseres Herzl. Die Geschichte verzeichnet seinen Ruhm als Führer im Kriege und als weiser und gütiger Herrscher im Frieden. Das badische Volk hat um ihn getrauert; auch das jüdische Volk hat an dieser Trauer teilgenommen und wird nie vergessen, — wir sind ja das Volk des langen Gedenkens — daß dieser edle Fürst auch uns seine Huld zuwandte und dies mehr als einmal öffentlich bezeugte. Sein Andenken wird auch bei uns immer geehrt werden. In Frau Pastor Fromm hat der Zionismus eine rührend treue Anhängerin verloren. Von der Liebe ihres frommen großen Herzens hat sie auch uns mitgeteilt; sie hat unser Wirken mit ihren innigsten Wünschen begleitet und uns auch werktätig durch bedeutende Zuwendungen gefördert. Kränze auf Gräber zu legen ist nicht Judenbrauch; aber wir widmen dieser edlen — nicht im dogmatischen Sinne bloß, sondern auch im ethischen Sinne des Wortes — christlichen Seele eine gerührte Erinnerung. Frau Julie Herzl ist den ihrigen und uns allzufrüh entrissen worden. Sie war die Trägerin eines Namens, der uns teuer ist, sie war die Gefährtin und Jugendliebe unseres Herzl, der durch seine Wahl für ihren Wert Zeugnis abgelegt hat. Ein Abglanz seines Lichtes erhellte sie und ihr Leben. Wir haben um sie getrauert und drücken ihren Kindern und ihrer ganzen Familie das innige Beileid aller Zionisten aus. Mit tiefem Weh gedenken wir unseres Oskar Marmorek, den ein tragisches Schicksal uns in der Kraft seiner Jahre entrissen hat. Wie man bei der Kaiserkrönung in Frankfurt zu fragen pflegte: Ist kein Dalberg da? so hatten wir seit dem ersten Kongreß bei jeder unserer Vereinigungen die Frage: Ist kein Marmorek da? — und es war immer mindestens ein Marmorek da, in der Regel ihrer mehrere. Sie waren da zur Arbeit, zur Begeisterung, zum Kampfe. Diesmal haben wir zum ersten Male einen Kongreß, auf dem kein Marmorek anwesend ist. Dr. Alexander Marmorek ist durch Krankheit am Erscheinen verhindert, und Oskar Marmorek ist tot. Er war ein Arbeiter der ersten Stunde, der treue Schildgenosse Herzls. Zu früh mußte er seinem Meister und Freunde folgen.

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