Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 26 (sequence 26)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 26 — Zionisten unser Ausgangs- und Zielpunkt verdunkelt worden. Darum rufe ich so laut ich kann: zurück zum Baseler Programm! (Beifall.) Erinnern wir uns daran, daß wir eine Heimstätte für das jüdische Volk erstreben, nicht für tausend arbeitsuchende jüdische Tagelöhner, nicht für hundert stellungsuchende jüdische Intellektuelle. Erinnern wir uns, daß wir die Ehre des jüdischen Volkes von allem Schmutz säubern wollen, mit dem zweitausendjähriger Haß sie besudelt hat, und daß nur dieser Vorsatz den großen Zug in unsere Bewegung bringt, die ohne ihn ein schlecht geplantes, mit unzulänglichen Mitteln ins Werk gesetztes, unpraktisches, kleines Kolonisationsunternehmen wäre. Stark durch unsern Gedanken, erhoben durch unsern Zweck, dürfen wir jedem Ereignis der wechselnden Tagespolitik gegenüber innerlich ruhig bleiben. Kein äußerer Vorgang kann die Pole unseres Wesens verrücken. Will die neue Türkei in uns aufopfernde Mitarbeiter an ihrem Gedeihen gewinnen, so bieten wir uns ihr freudig an. Fordert sie aber von uns den Verzicht auf die jüdische Hoffnung und die Assimilation, so sagt das Judentum: „Nein!" (stürmischer Beifall im Saale und auf der Galerie), wie es verlockenderen Kulturen immer „Nein!" gesagt hat. (Abermaliger Beifall.) Mag der Kongreß praktische Arbeit in Palästina beschließen, soweit sie uns derzeit möglich ist. Er wird aber nie vergessen wollen, daß seine Voraussetzung nationales Judentum ist, und daß er Selbstmord begeht, wenn er an diesem Grundbegriff seines eigenen Lebensgesetzes zweifeln läßt. (Anhaltender Beifall.) Was ihn geschaffen hat, das ist der Zionismus. In einer Bewegung aber, die nicht nur ihre Mittel, sondern auch ihr Ziel einem Wechsel des türkischen Regierungssystems zuliebe ändern würde, würde ich keinen Zionismus mehr erkennen, sondern Assimilation, türkische Assimilation. Dieser Zionismus wäre nicht länger mein Zionismus. (Minutenlanger stürmischer Beifall und Händeklatschen, — die Versammlung erhebt sich, Tücherschwenken im Saale und auf der Galerie.) Präsident Wolffsohn: Verehrter Kongreß! Wir schreiten jetzt zum nächsten Punkte der Tagesordnung, zu den Wahlen, und ich erteile das Wort dem Vorsitzenden des Permanenzausschusses, Herrn Professor Dr. Weizmann. Berichterstatter Professor Dr. Weizmann (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt): Verehrter Kongreß! Im Namen des Permanenzausschusses habe ich die Ehre, Ihnen folgende Wahlen vorzuschlagen: Als Präsidenten des Kongresses Herrn Dr. Max Nordau. Als Vizepräsidenten des Kongresses schlage ich vor: Dr. M. J. Bodenheimer, Reichstagsabgeordneten Adolf Stand, Dr. Tschlenow, Ingenieur Ussischkin.