Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German, English, Hebrew
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geständnis nicht möglich. Wenn die Zionisten nach der Türkei gehen wollen, so ist es, um als ottomanische Staatsbürger palästinensische Juden zu sein, nicht um sich irgendwo in Mazedonien oder Kleinasien zu Türken zu machen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wenn sie sich assimilieren wollen, so haben sie das bei sich zu Hause näher und billiger (Heiterkeit und Beifall), so können sie es dort tun, wo sie sind, und sparen die Reisekosten und alles Ungemach der Wanderung und Einlebung in neue Verhältnisse. (Große Heiterkeit, Händeklatschen.) Sie sind Zionisten. weil sie sich eben nicht assimilieren wollen. (Erneuter Beifall.) Sie drängen nach Palästina, weil sie im Lande der Väter nationaljüdisch leben wollen. (Beifall.) Sagt man ihnen daher:;;In Palästina lassen wir euch nicht ein, jüdisch-national dürft ihr nicht leben, die Türkei nimmt euch nur auf, wenn ihr auf den Zionismus verzichtet," dann machen sie eine Anstrengung, um kein Wort zu erwidern, das dauernde Feindschaft stiftet, und brechen eine Unterredung ab, die zurzeit kein Ergebnis verspricht. Die Zionisten haben so lange gewartet, sie warten dann eben weiter, bis ihre Aufklärungsarbeit, die Zeit, die politischen Ereignisse, die reifere Entwicklung die Anschauungen der maßgebenden türkischen Kreise geändert haben. Inzwischen aber halten sie unverbrüchlich an ihrem Ideal fest. (Beifall.) Ich sage all das vorläufig in meinem Namen. Sie werden unzweifelhaft Gelegenheit nehmen wollen, unzweideutig zu erklären, ob Sie mit mir einer Meinung sind oder nicht. Ich bin ein Zionist, der seine Fahne nie und nimmer in die Tasche stecken wird. (Beifall.) Wenn andere Zionisten bereit sind, ihren Zionismus zu verheimlichen oder gar, ihn zu verleugnen, dann trennen sich unsere Wege. Mein Idealist, ein jüdisches Volk im Lande seiner Väter zu sehen, geadelt durch seine zweitausendjährige Charakterfestigkeit, geachtet wegen seiner ehrlichen und ersprießlichen Kulturarbeit, ein Werkzeug des weisen Fortschritts, ein Streiter der Gerechtigkeit, ein Verkünder und Ausüber der Bruderliebe. Von diesem Ideal will und werde ich niemals ein i-Tüpfelchen aufgeben. Hier ist mir auch das kleinste Zugeständnis unmöglich. Dieses Ideal gebe ich um alle Schätze der Erde nicht hin, geschweige denn um ein Linsengericht. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Widersetzt die heutige Türkei sich der Verwirklichung meines zionistischen Ideals, dann müssen wir warten, länger warten, vielleicht schmerzlich lange warten. Langes Warten ist ein Kummer, es ist keine Schande. Wankelmütigkeit ist eine Schande. (Lebhafte Zustimmung.) Mein Ideal verjährt nicht. Es gestattet jede Hoffnung. Endgültig hoffnungslos dagegen ist die Selbstaufgabe. Das mußte gesagt werden; für die Türkei, für die Welt, für uns selbst. Ich habe in den letzten 18 Monaten mitunter die beklemmende Empfindung gehabt, als sei im Bewußtsein mancher