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Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1910-01-01 · 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909 · p. Seite 21

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Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
Date
1910-01-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German, English, Hebrew
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IRI
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— 21 — bereiten, sie muß sie erst möglich machen, und die Anforderungen dieser Gegenwart, die auch die Zukunft in sich schließt wie einen Keim, der zu seiner Lebensfähigkeit und Entwicklung des Mutterleibes nicht entbehren kann, machen es nötig, daß der Zionismus seinen Mittelpunkt und seine Leitung einstweilen außerhalb der Türkei habe. Doch die niederschlagendste Erscheinung der letzten Monate war das vielfache Geschrei nach einer Änderung unseres Programms. Haben diejenigen, die diesen Ruf erhoben, sich auch die Bedeutung und Tragweite ihres Verlangens voll vergegenwärtigt? Wir bezeichnen den Beschluß des Ersten Zionistenkongresses als unser Programm, weil wir gern die Emphase vermeiden und uns absichtlich lieber einer kühl geschäftsmäßigen Sprache bedienen. Aber täuschen Sie sich darüber nicht: was wir 1897 in der modernen Ausdrucksweise des Partei- und Vereinslebens als unser Programm bezeichnet haben, das ist tatsächlich das in schlichte Worte gefaßte zweitausendjährige geschichtliche Ideal des Judentums (lebhafter Beifall und Händeklatschen), es ist das Ziel, das dem jüdischen Volke in der Nacht des Exils als ein heller Stern geleuchtet hat, es ist die Hoffnung, für die unsere Väter Übermenschliches erlitten haben und als Helden gestorben sind (lebhafter Beifall und Händeklatschen). Und dieses Ideal wollen Sie auf den ersten Zwischenfall der Tagespolitik hin preisgeben? Der stürmische Beifall, mit dem Sie die Ausführungen bedeckten, in denen unser Vorsitzender eine derartige Entschließung zurückwies, beruhigt mich allerdings in diesem Augenblick über Ihre Gesinnung (erneuter Beifall). Verweilen wir noch ein wenig bei diesem Punkte. Was will man am Baseler Programm ändern? „Der Gedanke des Charters hat sich überlebt,a eifert man. Das sei ohne weiteres zugegeben (Beifall). Aber im Baseler Programm steht kein Wort vom Charter. Der Charter war ein persönlicher Gedanke unseres verewigten Herzl, ein Gedanke, der sich verteidigen ließ, als der Schöpfer unserer Bewegung ihn faßte. Er hat ihn nicht verwirklichen können und er hat unter den heutigen Verhältnissen keine Berechtigung mehr (sehr richtig). Wir können ihn ruhig fallen lassen, um so ruhiger, als er für unsere Bewegung nicht wesentlich ist, ihren Kern gar nicht berührt (Beifall). Er sollte ein Mittel zum Zweck sein. An den Mitteln liegt nichts. Nur ein Narr hält krampfhaft an ihnen fest, wenn sie sich nicht als zweckmäßig bewähren. Erweisen sie sich als untauglich, so opfert man sie und ersetzt sie durch andere. In einer absolutistischen Türkei mußten wir Freiheiten verlangen, die bei der allgemeinen Unfreiheit notwendigerweise den Charakter von Sonderrechten gehabt hätten und förmliche vertragsmäßige Bürgschaften erforderten. In einem Verfassungsstaat, in dem alle Staatsbürger sich des Genusses gesetzlicher Freiheit erfreuen, bedürfen wir keiner Vorrechte und keiner Sonder-

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