Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 20 — Gedankens, der zionistischen Überzeugung im jüdischen Volke ist. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Das äußerste Zugeständnis, das ich machen könnte, wäre, daß an beiden Aufgaben mindestens gleichmäßig gearbeitet werden müßte. Erwachen Sie doch aus der Selbsttäuschung, in die Sie sich hineinträumen, hineinreden, hineinsingen! Zählen Sie sich! Messen Sie Ihre Kraft! Glauben Sie wirklich, daß wir schon stark genug sind, um in Palästina Werke von derartiger Bedeutung für das Judentum und die Zukunft des jüdischen Volkes schaffen zu können, daß sie ganz von selbst und natürlich Palästina schon heute zum Mittelpunkt unserer Bewegung, zum Sitz unserer Leitung machen würden? Ich glaube es nicht. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich bin vielmehr überzeugt, daß wir leider noch sehr schwach sind und alles daran setzen müssen, um im jüdischen Volke selbst sehr viel mehr Boden zu erobern. (Beifall.) Bauen wir unsere Organisation aus, führen wir ihr neue Anhänger zu Hunderttausenden zu, verdoppeln, verzehnfachen wir unsere Werbetätigkeit in den jüdischen Zentren Europas und Amerikas. Gerade heute hörten wir ermutigende Worte aus dem Munde der Herren Dr. Levy und Dr. Franck, die uns den richtigen Weg weisen (Beifall), wie wir diese innere Aufgabe erfüllen können. Haben wir sie erfüllt, können wir auch ziffernmäßig das Becht finden Zionismus in Anspruch nehmen, sich als das organisierte jüdische Volk in der Zerstreuung zu bezeichnen, dann können wir uns mit ganz anderen Aussichten auf Erfolg der äußern widmen, dann können wir in ganz anderer Haltung vor die türkische Regierung hintreten und ihr unser Anliegen unterbreiten. Unsere innere Aufgabe der Entwicklung und Stärkung des Zionismus aber erfordert, daß der Mittelpunkt und die Leitung unserer Organisation sich außerhalb der Türkei, außerhalb des Machtbereichs der türkischen Regierung befinden. Aus einer west- oder mitteleuropäischen Stadt wirkt man zurzeit auf Europa und die Länder europäischer Gesittung in den anderen Weltteilen noch leichter als aus Jerusalem, Jaffa oder Konstantinopel. Für alle Verhandlungen mit der türkischen Regierung sind wir in einer weit bessern Lage, wenn wir sie von außen führen können, als wenn wir sie im Verhältnis einer türkischen Organisation, das heißt im Verhältnis von Untergebenen zu ihrer gesetzlichen Obrigkeit, zu verfolgen haben. (Sehr richtig.) In jedem andern Lande, wo wir von der Regierung nichts zu verlangen haben und zu ihr keine amtlichen Beziehungen anzuknüpfen und zu unterhalten brauchen, haben wir eine viel größere Freiheit der Bewegung und Unabhängigkeit als in der Türkei. Ich meine, diese Gründe sind derartig einleuchtend, daß sie einer weitern Ausführung nicht bedürfen. Unsere Zukunft liegt in der Türkei; gewiß; aber unsere Gegenwart liegt einstweilen noch in Europa und Amerika. Über unserer Zukunft dürfen wir unsere Gegenwart nicht vernachlässigen. Die Gegenwart soll unsere Zukunft vor-