Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 9 (1910) Hamburg, 26. bis 30. Dezember 1909
- Date
- 1910-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 19. — mit der größten Aufmerksamkeit folgen, mit seinen leitenden Persönlichkeiten und allen Parteien in Verbindung treten, sie und die öffentliche Meinung über unsere Bestrebungen, über unsere Wege und Ziele aufklären sollen? Das ist so selbstverständlich, daß es wirklich nicht erst verlangt zu werden brauchte, am wenigsten in aufgeregtem, alarmiertem Ton. Wir haben es auch bisher immer getan. Wir werden es mit Bedacht und Fleiß fortsetzen, und es ist uns durch die größere Freiheitlichkeit der Gesetzgebung und Verwaltung im ottomanischen Reiche von nun an wesentlich erleichtert. (Sehr richtig.) Das türkische Reich ist uns nicht erst durch seine jüngste Umwälzung wichtig geworden. Das Ziel unserer Hoffnungen, Wünsche und Mühen, das heilige Land unserer Väter, ist ottomanisches Reichsgebiet. An seinen Küsten und Landgrenzen halten türkische Soldaten Wacht. Die Schlüssel des Hauses, das die Zionisten zu ihrem Heim zu machen wünschen, liegen in den Händen der türkischen Regierung. Da ist es doch natürlich, daß alle unsere Bestrebungen nach der Türkei weisen wie die Nadel des Kompasses nach dem magnetischen Pol. Alle unsere lebendigen Werke, unsere Schulen, unsere Orientbank, unsere Auskunftstelle, unsere Versuchsfarm, liegen in Palästina, d. h. in der Türkei. Alles, was wir an unmittelbar zu verwirklichenden praktischen Schöpfungen planen und vorbereiten, hat das ottomanische Reich zum Rahmen. Wir haben es uns seit Jahren angelegen sein lassen, uns möglichst gründlich über das geltende Recht, namentlich die Landgesetzgebung, und die Verwaltungsregeln in der Türkei zu unterrichten. Wir haben in der Türkei Mitglieder unserer Organisation, die unsere Leitung über alles unterrichten, was den Zionismus berührt, und dort gegebenenfalls für unsere Interessen wirken. Was will man im Augenblicke noch mehr? Die Leitung selbst soll nach Konstantinopel oder nach Palästina verlegt werden, unser Kongreß hätte auf türkischem Boden abgehalten werden sollen. Geehrter Kongreß! Die Vertreter des Zionismus aus beiden Weiten in der Türkei zu versammeln wäre voreilig, solange wir nicht sicher sind, daß unsere Bestrebungen ihrem Wohlwollen begegnen. Und vollends mit unserer Leitung nach dem türkischen Reiche zu übersiedeln wäre ein schwerer Fehler. Denn wir dürfen nie vergessen, daß unsere Aufgabe zurzeit noch eine doppelte ist, eine innere und eine äußere. Gewiß haben wir dem Zionismus die Zustimmung der Türkei und die Förderung durch die türkische Regierung zu erwirken; aber wir haben für ihn doch auch noch das Verständnis und die Unterstützung des jüdischen Volkes Zugewinnen. (Händeklatschen und Beifall.) Ich weiß nicht, ob ich mich dadurch in einen Gegensatz zu den sogenannten praktischen Zionisten bringe, aber ich meine, daß unsere wichtigste Aufgabe immer noch nicht die Anbahnung amtlicher Beziehungen zur türkischen Regierung, sondern die Verbreitung des zionistischen