Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1907-01-01 · 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907 · p. Seite 389

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
Date
1907-01-01
Page
Seite 389 (sequence 387)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3476254-3476270--2964-3479104
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— '38'9 — Landes und Volkes 'eingetreten'sind? Ich muß nochmals fragen: Wo sind die jüdischen weiblichen Professoren, die so viel verkündigt haben, wann haben sie die Liebe, die tiefe, unverwüstliche L,i(ebe zu unserm Volke verkündet? Wenn das nicht der Fall gewesen ist, so war es nur, weil an uns jüdischen Frauen von unsern Vätern und Brüdern großes Unrecht begangen worden ist: man hat uns keine nationale Kultur gegeben. Meine Damen, ich kann ja sagen: Auch ich bin in Arkadien geboren, leider nicht in Jerusalem, auch ich habe an der Quelle fremder Kultur gestanden und mit Begierde getrunken, zuweilen mit einem kleinen Rausch; aber daß das fremde mächtige Gewässer in mir den ewigen Jungbrunnen des Jordanwassers weggeschwemmt hätte; das konnte nicht geschehen. Warum? Weil ich zuerst aus dieser ureigensten Quelle getrunken, aus dem Born unserer nationalen Gefühle. Meine Damen und Herren! Wenn wir nicht wollen, daß dieses Unrecht weitergehe, daß wir immer „awossenu ochlu beusser weächine benosschen tikhenu", müssen wir es wieder gutmachen (Beifall), denn von sich selbst wird es ja nicht gemacht.. Wenn einst unsere Söhne und Töchter äoifstehen und uns fragen: Wo wäret ihr, als das jüdische Leben geschaffen wurde, was habt ihr getan, werden wir ihnen etwa einfach antworten: „Jodenu lo schoffchu es hadom?" Das genügt doch nicht, wir müssen doch auf etwas hinweisen können, und ich sage: das ist das Kind unserer Schmerzen, wir haben es eben gewollt. Wir haben zwar wenig gekonnt, aber Edles gewollt. Meine Damen! Es handelt sich jetzt um etwas sehr Wichtiges, wenn auch im Kleinen. Wir wollen Kulturarbeit in Palästina schaffen, und als nächsten Zweck, aber nur als einen Anfang, weil man doch nicht, in die Runde gehen kann, weil man doch irgendwo einen Hebel ansetzen muß, haben wir uns eine Schule gedacht, in Jerusalem natürlich, in unserm eigenen Lande (Beifall), wo man,, wie Sie schon oft gehört haben, nicht künstlich zu arbeiten braucht. Dort wollen wir unsere jungen Mädchen nicht zu miserahlen Pariserinnen, nicht zu radebrechenden Berlinerinnen, sondern zu einfachen jüdischen Müttern und Schwestern erziehen. Wir wollen ihnen die bescheidene Kunst beibringen, hauszuhalten, hauszuhalten mit ihren bescheidenen Mitteln und auch mit ihren moralischen Mittein, und das macht sehr reich, meine Damen und Herren, wie viele von Ihnen wissen. Jetzt geht es an die Arbeit, dafür zu werben, denn Sie wissen, den Nerv des Krieges muß man auch für Frieden haben, wir müssen Geld haben und wir müssen den guten Willen haben. Meine Damen! Sie werden ein schweres Werk haben, wenn Sie zu vielen gehen und sie bitten, sie mögen die Kraft für dieses Werk hergeben. Dem einen wird es kleinlich erscheinen. Ist es denn ein so riesenhaftes Werk, eine Schule zu gründen? Dem andern wird es aber immerhin zu groß scheinen, und endlich ist der Indifferentismus da, dieser riesenhafte Moloch des Indifferentismus! Meine Damen, ich kann Ihnen nur in meinem ,,Mameloschen" sagen; „Hot hit kein moire!" Der Indifferentismus ist ein Golem. Wenn man ihm den heiligen „Schern" nennt, dann bricht er zusammen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich spreche natürlich nicht von denen, wo das „Pintele Jid" nicht mehr existiert. Mit denen haben wir unsere Rechnung geschlossen. Sind sie auch leider Fleisch von'unserm Fleische, so sind sie nicht mehr Geist von unserm Geist. Aber, meine Damen, sehr viele' von uns sind winzige Fünkchen jüdischen Lebens, verstreut und versprengt über die ganze Erde. So ein Fünkchen, es verglimmt und verlischt, wenn es vereinsamt bleibt. Kommen aber pausende und Abertausende zusammen, verschmelzen sie ihr kleines winziges Teilchen Licht und Wärme, so wird ein lustig sprühendes herrliches Feuer daraus. Dieses Feuer" wollen wir anfachen. Wir wollen zu unsern Schwestern gehen und sie bitten — wenn auch zuerst nur zögernd, so

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.