Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 375 (sequence 373)
- Language
- German, English, Hebrew
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weise in Oesterreich unerhört darunter leiden. (Zustimmung.) Und alles das, was die Herren wollen, können sie haben. Wenn eine solche Föderation in Oesterreich und eine in Deutschland existiert, so können sie immer zusammenwirken, wie sie wollen. Wenn sie in Oesterreich nicht so viel Mitglieder haben, in Deutschland dagegen ja, so können die beiden immer in Verbindung miteinander treten, ganz genau so — verzeihen Sie das Beispiel — wie eine Anzahl zionistischer Kegelklubs oder Turnvereine aus allen möglichen Ländern sich zusammenschließen könnten. Nur hineinnehmen in das Statut können wir das nicht. Lassen wir den Herren die Möglichkeit, es ist ihnen nicht verboten, sich zusammenzutun, wie sie wollen. Die Kommission bittet Sie dringend, diese Anträge nicht anzunehmen. Del. Sturmann (im Jargon, den Del. Dr.- Niemirower übersetzt): Es muß dem proletarischen Zionismus die Möglichkeit gegeben werden, sich zu " organisieren. Der Zionismus interessiert die bürgerlihe Klasse und die proletarische, die ihre besonderen Interessen, Aufgaben und Ideale haben. Der Redner bittet, den Antrag Kaplansky anzunehmen. Del. Dr. Reich: Verehrter Kongreß! Ich gehöre nicht der poalezionistischen Partei an, ich bin ein sogen, „bürgerlicher Zionist", und als solcher bitte ich Sie, bürgerliche Zionisten, für den Abänderungsantrag des Herrn Kaplansky und der Poale-Zionisten zu stimmen. (Lebhafter Beifall.) Wir wissen sehr gut, wie es mit der Einziehung der Schekel geht. Wenn die Poale-Zionisten rührigere Leute haben werden, könnten sie sicherlich 3000 Schekel auch zusammenbringen. Wir wissen, wie es bei uns in Galizien ist, < in einem Lande, wo 800000 Juden wohnen. Wir bürgerlichen Zionisten haben viel weniger Schekel, als wir haben könnten, weil es uns an Rührigkeit, an Energie, sagen wir, an der Zeit fehlt, um sie einzutreiben. Die Zahl kann also hier absolut keine so gewichtige Rolle spielen, sondern es kommt auf das Prinzip an, ob wir die Poale-Zionisten sich freiwillig und selbständig entwickeln lassen wollen, oder ob wir sie zwangsweise in unsere Organisation hineinpressen wollen. Da muß ich aufrichtig sagen: wenn wir die Poale-Zionisten als gute Genossen betrachten — und ich glaube, wir betrachten sie als solche, im entgegengesetzten Falle würden wir sie einfach hinausdrängen —, wenn wir sie als gute Genossen betrachten, die unserer Partei zu dienen suchen, dann müssen wir alles tun, was zu der gedeihlichen Entwicklung dieser Partei beitragen kann, und deswegen müssen wir alles, akzeptieren, was die Herren fordern, um sich entwickeln zu können. (Beifall.) Andererseits, behaupte ich, wird es auch für uns bürgerliche Zionisten gut sein, wenn wir den Poale-Zionisten die Föderationsmöglichkeit geben, denn wir wissen, daß, wenn sie mit uns gehen werden, weil wir ihnen heute noch nicht die Föderation schaffen wollten, sondern erst nach zwei oder vier Jahren, wir es fühlen werden, daß sije nur gezwungen mit ung sitzen, vielleicht neben uns marschieren. Wir aber wollen, daß sie mit uns marschieren, wenn auch gegen ihren Willen. In ihrem sowie in unserem Interesse liegt es also, daß wir nachgeben. Man soll mit Gefahren nicht drohen. Wie oft ist, das geschehen, und später hat sich die Sache als ganz gut und nützlich erwiesen. Es kommt nicht auf die Gefahr an, es ist Sache des Prinzips. Wir müssen an dem Prinzipe der Entwicklung alles dessen, was entwicklungsfähig ist, festhalten, und deshalb bitte ich Sie, dafür zu stimmen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Präs. Wolffsöhn: Herr Dr. Waldmann hat das Wort! Del. Feiwel: Ich beantrage Schluß der Debatte! Del. Dr. Waldmann: Hoher Kongreß! Ich habe einmal das Wort bekommen und glaube daher, daß der Kongreß mich doch anhören wird. Ich bin von bürgerlichen Zionisten gewählt. Nichtsdestoweniger trete ich mit ganzem Eifer für den Antrag der Poale-Zionisten ein. Meine Herren, es wurde hier von den prinzipiellen Gründen gesprochen, die für den Antrag der Poale-Zion sprechen,, allein es sind auch rein taktische Gründe, welche