Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 373 (sequence 371)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 373 — durch andere, als die bei den Parteitagen gewählten Behörden leiten lassen dürfen. Es kommt daher nicht darauf an, ob die Organisation in diesem ILande 3000 organisierte Mitglieder hat. Die Gedanken, die der Schichtung und der Klassendifferenzierung im Judentum entsprechen können, haben keine territoriale Grenze. Der misrachistische Gedanke oder der sozialistische Klassengedanke, kurz alle Strömungen im Judentum können keine Grenze haben wie das jüdische Volk selbst, und es ist selbstverständlich, daß, wenn im Zionismus ein neuer Gedankengang entsteht, er nicht auf die Grenzen eines bestimmten Landes beschränkt sein kann, und es ist desalb davon abzusehen, die Zahl der organisierten Mitglieder auf ein Land zu beschränken. Sie müssen den Anhängern einer bestimmten Parteirichtung, mögen sie auch in verschiedenen Ländern zerstreut sein, die Möglichkeit geben, eigene Föderationen zu bilden und mit dem A. C. direkt in Verkehr, zu treten. (Zustimmung.) Ich muß darauf das größte Gewicht legen. Wenn Sie dieses Prinzip ablehnen und es — sagen wir — 2900 jüdischen Proletariern, die sich zum sozialistischen Zionismus bekennen, unmöglich machen, eine eigene Föderation zu bilden, und wenn Sie sie zwingen wollen, der Landesorganisation beizutreten resp. ihr zu unterstehen, so machen Sie den Beitritt der jüdischen Proletarier zur zionistischen Organisation unmöglich. Es kann aber nicht der Zweck des Organisationsstatuts sein, den Beitritt zu erschweren, sondern der Zweck unserer Beratungen ist, eine solche Organisationsform zu schaffen, die allen Bedürfnissen, allen Parteien und allen Gliedern der zionistischen Organisationen entspricht. (Sehr richtig!) Deshalb bitte ich, folgenden Abänderungsantrag zu § 25 anzunehmen, der — nebenbei bemerkt — im großen und ganzen mit dem Antrag des Dr. Abrahamsohn übereinstimmt. Nach meinem Antrage hätte § 25 zu lauten: „Zur Gründung einer neuen, sich über mehrere Länder erstreckenden Föderation ist es notwendig, daß sich mindestens 3000 organisierte Zionisten zusammenschließen. Sie kann sich nur mit Zustimmung des engeren A. C. bilden. Den Landesorganisationen der betreffenden Länder steht die Berufung an das große A. C. bezw. an den Kongreß offen." Es kommt uns nicht darauf an, die Schekelzahl der organisierten Zionisten herabzusetzen. Wir würden einen Antrag, der die Interterritorialität feststellt und statt 3000 die Zahl von 5000 verfügt, lieber annehmen, als den Antrag des Referenten. Es kommt uns auf das Prinzip der föderativen Gestaltung der zionistischen Organisation an, wodurch gewisse Prinzipien, gewisse Standpunkte, gewisse Ideale im Zionismus verkörpert werden. (Beifall.) Für den Eventualfall, was ich aber nicht annehmen kann, daß Sie meinen Antrag ablehnen und den Antrag des Referenten annehmen, behalte ich mir vor, zu § 25 folgenden Zusatz zu beantragen: „Besteht bereits eine solche Föderation, so können sich 200 Schekelzahler derselben Parteirichtung in einem anderen Lande dieser Föderation anschließen." Ich will durch diesen Zusatzantrag es ermöglichen, falls eine Föderation besteht, daß sich andere Gesinnungsgenossen auch aus anderen Ländern anschließen können. Aber, wie gesagt, das ist ein Eventualantrag, den ich gar nicht in Betracht ziehen möchte. Ich ersuche, den weitestgehenden Antrag, den ich vorgelesen habe, anzunehmen. (Lebhafter Beifall.) Del. Dr. Margulies: Der Organisationsausschuß hatte Gelegenheit, über diese Frage zu beraten, und wir waren alle von dem Gedanksen erfüllt, daß es nicht unsere Aufgabe sei, die Entwicklung des gesunden Parteiprinzips zu unterdrücken. Wenn der Organisationsausschuß trotzdem zu dem Resultat gekommen ist, das er im Antrage des Referenten vorlegt, so haben ihn Momente organisatorischer und vereinsgesetzlicher Natur bestimmt. Ich möchte darauf aufmerksam machen, daß in verschiedenen Ländern die Genehmigung der Vereinsstatüten auf große Schwierigkeiten stößt, daß die Vertreter verschiedener Landesorganisationen erklären, daß man bei Ab-