Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 346 (sequence 344)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 346 — größerem Stil und konsequenterer Weise, als dies innerhalb -unserer Bewegung früher geschah, wurden literarischkünstlerische Veranstaltungen in Angriff genommen. Die Propagandakommission ließ sich hierbei von zwei Gesichtspunkten leiten. Einerseits galt es, angesichts des Mangels einer Kulturkommission, die Aufgaben, die der jüdischen Nationalbewegung, der jüdischen Dichtung und Kunst gegenüber obliegen, zu erfüllen. Anderseits jedoch lehrte die Erfahrung, daß jüdisch-künstlerische Veranstaltungen ein vorzügliches Mittel für indirekte Agitation bilden, das besonders für die großen, dem Zionismus noch fernstehenden Kreise des jüdischen Publikums wirksam und anziehend ist. Der geradezu unerschöpfliche Schatz von zum Teile erstrangigen Kunstwerken jüdischen Inhalts, den uns auf dem Gebiete der Dichtung und der Musik, der Malerei und der Plastik Meister jüdischer und nichtjüdischer Abstammung hinterlassen haben gibt ein treffliches Material zur Neubelebung des jüdischen Volksbewußtseins ab. Dazu tritt eine Reihe von Werken neueren Datums, die von zionistisch empfindenden Künstlern geschaffen wurden und deren Agitationskraft nie versagt. Dank den künstlerischen Aufführungen, sowie den der jüdischen Dichtung und Kunst gewidmeten Vortragsabenden, die in Berlin stattfanden, ist ein Material zusammengestellt worden, das von allen anderen Zentren der zionistischen Bewegung für ähnliche Veranstaltungen verwendet werden kann. Es erwies sich als zweckdienlich, für die literarisch-künstlerische Kultur- und Propagandaarbeit besondere Organisationen zu schaffen, die auch außerhalb der zionistischen Kreise Anlehnungspomkte und finanzielle Förderung finden. In Berlin wurde für diese Aufgaben im ersten Berichtsjahre das „K oraitee für jüdisch-künstlerische Veranstaltung en'* ins Leben gerufen. Angesichts des großen Interesses, das die Veranstaltungen des genannten Komitees erweckten, konnte man im darauffolgenden Jahre an die Gründung des „V ereins zür Förderung! jüdischer Kunst" schreiten, dessen Leitung einer der hervorragendsten jüdischen Bühnenkünstler der Gegenwart, Rudolf Schild kraut, übernahm. Der Verein veranstaltet Rezitationsabende jüdischer Dichtung, Konzerte, die dem jüdischen Volkslied und der jüdischen Kunstmusik gewidmet sind, Theateraufführungen, Vorträge über jüdische Kunst mit Lichtbildern und Kunstausstellungen. Im November d. J. wird eine Ausstellung jüdischer Künstler in der Galerie Schütte stattfinden, für die die Werke der hervorragendsten jüdischen Meister gewonnen sind. Bei der Geringfügigkeit der der Propagandakommission zur Verfügung stehenden Mittel und den großen Kosten derartiger Veranstaltungen war die Beschaffung spezieller Fonds für dieselben unerläßlich, und es gelang, solche in nichtzionistischen Kreisen aufzubringen. Propaganda im Orient. Auf dem Gebiete der eigentlichen politischen Propaganda war es eine der Hauptbestrebungen der Kommission, eine planmäßige Agitation zwecks Gewinnung der im Orient lebenden, sowie der spaniolischen Judenheit überhaupt für die jüdische Nationalbewegung zu eröffnen. Diese Bestrebung ist eine logische