Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 323 (sequence 321)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 323 — und ist es nicht eine Schande, daß auf dem Oelberg nur eine Engländerin eine Villa der Kunst gewidmet hat? Wer von uns hat für solche Dinge gesorgt? Aber wir müssen auch unsere Kräfte ein wenig sammeln und konzentrieren. Man hat bisher nur von Elementarschulen gesprochen, weil wir ein festes Fundament brauchen. Dieses ist aber noch nicht alles. Meine Damen und Herren! Wenn wir unsere Versuche machen werden, dann kann die Stellung der Juden in der ganzen Welt mit der Zeit eine ganz andere werden. Man muß in Jerusalem für sie die Achtung der ganzen Welt erringen. Ich bin kein Chartergegner, aber ich behaupte: Es gibt keine Sprünge in der Geschichte, wie es keine schroffen Uebergänge in der Natur gibt. Alles muß auf dem Wege der Evolution geschehen. In Jerusalem leben zirka 35 000 jüdische und nur 2000 armenische Familien. Und die Hauptrolle in der Stadtverwaltung spielen die Armenier, nicht die Juden — und zwar nicht, weil die Juden Ausnahmegesetzen unterworfen wären, sondern weil sie nicht organisiert sind. Wenn Sie die Diplomaten sind, dann schaffen Sie doch dort einen Stützpunkt für Ihre diplomatischen Unternehmungen 1 (Lebhafter Beifall.) Sie aber meinen: wir sollen sitzen und warten! Da erinnere ich mich, daß sich sogar unter den orthodoxen Juden Leute finden, welche sagen: „Wenn man auf den Meslsias hofft, muß man auch für seine Ankunft arbeiten." Wir müssen uns vorbereiten! Mögen nur die Juden hier, die imstande sind, diplomatische Beziehungen anzuknüpfen, arbeiten — wenn sich aber Leute finden, die nach Palästina gehen, um dort zu arbeiten — und wo die türkische Regierung selbst nicht eingreift, ist jede Arbeit segensvoll — dann wollen Sie doch mithelfen! Meine Damen und. Herren! Das Streben nach Zion hat sich im Laufe der Generationen verschiedenartig geäußert. Unsere Eltern haben die Chalukah geschaffen. Ich. bin kein Gegner der Chalukah, denn sie haben die Liebe zu Zion so geäußert ■— wenn wir aber gute Kinder, sind, müssen wir die Schuld unserer Eltern gutmachen. Es1 besteht jetzt eine neue Generation in Palästina: so müssen wir ihr doch aufhelfen — denn unsere Eltern haben sie in Chalukahkinder verwandelt. Wir haben unsere Häuser neu gebaut und eingerichtet, wollen wir doch etwas Modernes auch nach Palästina bringen! Es ist unsere Pflicht. Wenn man von Palästina spricht, zeigt man fortwährend die Hindernisse. Aber die Territorialisten, deren Austritt Dr. Marmorek bedauert, haben bis jetzt nur den einzigen Vorzug, daß sie kein Territorium haben. Und hätten sie Palästina nur als Territorium betrachtet, dann müßten sie auch mit uns gehen.