Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 321 (sequence 319)
- Language
- German, English, Hebrew
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321 — Ich glaube diese Wünsche werden beim Kongreß keinerlei Widerspruch finden. Ich möchte nur noch bitten, möglichst ohne Eingehen in eine Spezialdebatte bei jedem einzelnen Punkte nunmehr baldmöglichst zur Abstimmung zu schreiten. Denn als gestern der Kongreß beschlossen hatte, Generalredner zu wählen, ließ er sich von der Absicht leiten, uns damit die Spezialdebatte zu ersparen, die sich schließlich doch nur in Einzelheiten verlieren muß. Die Spezialdebatte ist ja übrigens mit großer Ausführlichkeit bereits in der Palästinakommission geführt worden, und ich glaube nicht, daß eine neuerliche Debatte wesentlich neue Punkte zutage fördern würde. Ich möchte Sie also bitten, diese gutdurchdachten und von der großen Majorität der Palästinakommission angenommenen Beschlüsse auch hier im Kongreß möglichst einstimmig zu bestätigen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Referent Dr. Seh. Lewin: Auf die Punkte meines Referats hat niemand erwidert, und sogar die Gegner der praktischen Arbeit in Palästina mußten zugeben, daß sie für diese Art der Arbeit seien. Diese Erscheinung ist nicht erfreulich, denn besser ausgesprochene Gegner, als Menschen, welche immer zustimmen, aber nichts schaffen wollen. Das ist im besten Falle ein Hechscher, aber nicht mehr. Aber indirekt hat man auch diese Arbeit verneint, denn wenn die ganze praktische Arbeit zu nichts führen soll, hat auch Schulengründung usw. keinen Sinn. Aber auch wenn einmal der Charter erlangt werden sollte, kann man nicht anders vorgehen als jetzt. Herr Cowen soll nur einmal nach Palästina reisen. Es gibt faktisch kein Land in der Welt, wo die Juden so viele Rechte haben — relativ zu der anderen Bevölkerung — als in der Türkei. Jüdische Leiden beginnen erst dort, wo man in der Gesellschaft Ausnahmen für die Juden festsetzt. In den meisten Ländern besteht außer dem geschriebenen Gesetz noch eine Art mündlicher Ueberlieferung. Und das Leben richtet sich nach letzterer. In Palästina existiert keine Ausnahme in der mündlichen Tradition. Zeigen Sie ein anderes Land, wo ein Jude nach einem Monat die Bürgerrechte erlangen kann. Und wenn Sie meinen, daß dies nicht viel bedeute, dann arbeiten Sie doch! Einen Charter kann man nicht auf einmal bekommen, man muß ihn auch verdienen. Und wenn Sie den Charter bekommen haben, würden Sie mit jener Arbeit beginnen müssen, die andere jetzt begonnen haben. Sehen Sie nur, wie Sie in Palästina auf Schritt und Tritt ganz anderen, viel glücklicheren Gesichtern begegnen, als irgendwo. Bedenken Sie: Fünfundzwanzig Kolonien ohne einen