Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 307 (sequence 305)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 307 — um in ihnen: so rasch als möglich! die Majorität zu bekommen, oder ob wir dazu noch etwas brauchen. In Oesterreich gibt es lund gab es eine germanische Kolonisation unter den Slawen. Auch diese beabsichtigte mit Hilfe der Majorisierung ihre Kultur den anderen aufzudrängen "und sich im Boden festzuwurzeln. In den sogenannten Ländern der böhmischen Krone wurden städtische Kulturen geschaffen, die Deutschen setzten sich in einer Reihe von Städten fest, sie hatten das Handwerk, sie hatten die höhere Kultur, sie hatten die Bildung in ihrem Besitze, aber das1 ging solange, bis sich eben das; eingeborene, das autochthone Volk selbst zu einer gewissen Kulturstufe entwickelt hatte, dank gerade dieser städtischen Kolonisation. Als die Slawen aber eine gewisse Kulturstufe hatten, als sie die Rohprodukte, die sie erzeugten, verwerten konnten, haben sie die Deutschen erdrückt, trotzdem ihre Bureaukratie deutsch war, trotzdem ihre Monarchen deutsch waren, trotzdem die Regierungen deutsch waren, trotzdem die Deutschen neben sich das große Brudervolk von 60 Millionen hatten^ Anderseits aber sehen wir, daß dort, wo die deutsche Kolonisation eine Landsiedelung versuchte, daß sie heute, trotzdem die Deutschen, eine Minorität sind, — eine Insel im slawischen Ozean, — dort gesichert sind. Wenn wir imstande wären, heute in Palästina nicht nur1 den Boden zU erwerben, sondern den Boden auch durch unsere landwirtschaftlichen Kräfte zu bearbeiten, dann hätten wir die Garantien in uns selbst, aber wir haben sie solange nicht, als eben der Zionismus, sei 6s der praktische, sei es der politische, diese Grundfrage ignoriert, an der das jüdische Volk in den Golusländern durch 18 Jahrhunderte gelitten hat. Waren die Juden Bauern geworden, sie hätten sich entweder national konsolidiert, wie die Magyaren, oder sie hätten sich assimiliert wie andere Völker. Sie konnten aber und wollten keine Bauern werden, weil damals Bauer werden hieß, von einer höheren zu einer niedrigen Kulturstufe herabsteigen. Wenn wir in Palästina das Problem lösen wollen, das' wir durch so lange' Zeit nicht lösen konnten, müssen wir die Frage stellen: wie schaffen wir einen jüdischen Agrarstand, eine Wurzel für unsere Existenz? Wenn wir diese Frage nicht lösen, schaffen wir in Palästina nichts anderes als einen Golus. Palästina ist für uns kein Mysterium, die wir das Land erwerben wollen/ die wir aber heute in der ganzen Welt die Beobachtung machen können, daß "eine Landflucht besteht, daß Bauern, die seit Jahrtausenden Bauern sind, in die Städte fliehen und den Landboden nicht bearbeiten wollen. Und da bilden wir uns ein, daß wir im Nu das. degenerierte jüdische Stadtvolk zu einem ackerbauständigen machen werden? Das ist ein verhängnisvoller Irrtum.