Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1907-01-01 · 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907 · p. Seite 299

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
Date
1907-01-01
Page
Seite 299 (sequence 297)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476270--2874-3479014
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 299 — eine Parole hineingeworfen, das war die Parole des Charters, und die ganze jetzige Politik des Zionismus zeigt die 'Tendenz, daß man entweder diese Parole belächelt oder sogar vernichtet und verneint. Herr Motzkin hat ferner den Gedanken ausgesprochen, er halte den Teilcharter für eine Möglichkeit, für ein Ding, Welches morgen erfolgen kann, wenn das jüdische Volk will. Ich glaube, daß darin jeder mit Herrn Motzkin einverstanden ist: wenn das jüdische Volk will, ist der Charter, gegeben. Aber wenn das jüdische Volk nicht will oder wenn wir vor der Auf gäbe stehen, den Willen des jüdischen Volkes erst ziu erziehen und vor dieser Aufgabe stehen wir — den Willen des jüdischen Volkes wachzurufen, damit die Erlangung des Charters zur Realität werde, — dann genügt es nicht zu sagen: „Das jüdische Volk wird wollen. Wir werden dem jüdischen Volke so lange zureden, bis es wollen wird." Das bewußte jüdische Volkr hat Argumente genug, um den Willen zu zeigen. Die ganze jüdische Gieschichte war doch ein Argument für den Charter, und das jüdische Volk hat seinen Willen noch ificht gezeigt. Die Aufgäbe der* zionistischen Partei aber war es, diesen Willen wachzurufen, und darin lag die Tragik Herzls, daß er dachte, den Willen des jüdischen Volkes schneller zu wecken, weil er die Potenz des jüdischen Volkes noch nicht gekannt hat. Er hat gedacht, fünf oder zehn Jahre würden genügen, wenn er mit seiner genialen Begeisterung ins Volk gehe, daß sich das ganze Volk um ihn gruppieren werde. Statt dessen hat er aber einzelne Elemente gesehen, Teile des jüdischen Volkes, und darin lag seine Enttäuschung, die ihn bis zu Uganda geführt hat . . . Ist es wahr oder nicht? (Dr. Marrnorek: Nein!) Ich werde Ihnen beweisen, daß es währ ist. Glauben Sie mir, daß es mir nicht darum zu tun ist, Pointen gegen Sie zu gewinnen, aber die Wahrheit müssen wir dem jüdischen Volke sagen. Hat nicht das letzte Wort Herzls gelautet: Wir sind an einer Barriere angelangt? Für uns waren einst keine Barrieren da, man hat sich die Sache anders vorgestellt, man hat sich die Charteridee anders gedacht. Jetzt machen wir uns daran, die Fehler, die wir begangen haben, zü korrigieren. Es ist schmerzlich, aber es muß geschehen. Ich würde sagen: wenn wir heute eine Million organisierte Zionisten hinter uns hätten, wäre vielleicht morjgen der Charter da. Aber wie bekommen Sie die Million? Kann man die nur dadurch bekommen, daß wir sagen, den Charter kann man erlangen? Oder aber soll man nicht lieber dem Volke sagen, wenn du deinen Willen dadurch bezeigst, daß du heute anfängst teilweise Besitz zu nehmen von dem Lande, welches dir gehört — das wäre ein Argument, welches einschlagen würde? Und wenn wir heute auch nur einen kleinen

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.