Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 295 (sequence 293)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
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— 295 — gewußt hat, er wollte ihm einprägen, daß, um ein großes Ziel zu erreichen, man auch große Mittel verwenden muß. Welche große Mittel wollen Sie verwenden? Sie nennen sich politische Zionisten. Nun sind Sie alle gezwungen, trotzdem Sie, wie ich gesagt habe, noch nicht alle politisch reif sind, Politiker zu sein. Aber das eine werden Sie aus der Politik denn doch schon gelernt haben, daß man, um Politik zu treiben, Macht besitzen muß. Die Macht aber, die wir heute besitzen, ist nur die große Idee, die uns vereint, ist das unerhörte Unrecht, das seit zwei Jahrtausenden an uns geübt wird (lebhafter Beifäll). Diese Macht zählt aber noch nicht einmal in dem Lande, in der Stadt, wo wir heute weilen. Wir müssen eine andere Macht haben, das ist die Macht des Geldes, die modernste Macht (lebhafte Zustimmung). Unser großer geliebter Führer Herzl hat mit großen Kämpfen versucht uns einen kleinen Schatz zu schaffen, der darin die Form gefunden, daß er die Bank gegründet hat. Meine Damen und Herren! Was in den Statuten der Bank' steht, ist mir momentan völlig gleichgültig. Der Geist aber, der bei der Gründung der Bank; zum Ausdrucke kam, war der, ein politisches Institut aus der Bank zu schaffen und nicht ein geschäftliches Instrument, und nicht das |Geld der Bank für kleine und kleinliche Dinge zu vergeuden und zu verschwenden, sondern das Kapital der Bank zu dem eisernen Bestände zu machen, der auf uns wartet, damit wir nicht auf das Kapital warten sollen, wenn die Zeit gekommen sein wird. Mein verehrter Freund Motzkin hat gesagt, daß der politische Charterismus — ich nenne das lieber den politischen Zionismus — nicht versprochen hat, daß er in 24 Stunden dem jüdischen Volke das geben wird, was es erwartet. Das hat er nie versprochen, und wenn diese Legende entstanden ist, so ist sie eben nicht begründet, wie ja die meisten Legenden nicht begründet sind. Aber etwas anderes hat er versprochen. Er hat gesagt: Ihr müßt auf den Moment jederzeit gerüstet! sein, und infolgedessen dürft ihr nicht den einzigen kleinen Machtfaktor, den ihr besitzt, in leichtfertiger Weise aus den Händen geben. Das ist der Zweck der Bankgründung gewesen, und das ist der Zweck, dien, gleichgültig was in den Statuten steht, der Nationalfonds: hat. Aber Sie müssen das eine bedenken, Sie müssen das eine gelernt haben, daß Sie dieses einzige politische Instrument nicht vergeuden und nicht verschwenden, das im Vergleiche zu der großen Idee, die wrir zu verwirklichen trachten müssen, doch so klein ist (Zwischenruf). Es wird mir zugerufen: der Nationalfonds. Auch dieser ist nicht dazu da, um einige kleine Unterstützungen zu geben!