Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 283 (sequence 281)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 283 — diese Wahrheit wegzustellen und nicht anerkennen zu wollen, und als eine lächerliche hinzustellen. Es ist schon eine Tatsache, daß in unseren Reihen die meisten, wenn sie zusammen sind, darüber lächelnd selbst hinweggehen. Damit untergraben Sie tätsächlich den Zionismus. (Sehr richtig!) Die Tragik Herzls bestand darin, daß er einen gewaltigen logischen Satz aussprach und die Erfüllung dieses logischen Satzes in die Hand nahm, ehe die erste Prämisse erfüllt war. Er hat Möglichkeiten hingestellt, und dadurch wollte er Wirklichkeiten hervorrufen; er hat mehr gezeigt, als dasjenige, was im ersten Moment geschaffen werden kann. Er sagte sich folgendes: wenn das jüdische Volk will, dann gibt es Palästina für die Juden. Er sagte sich aber auch umgekehrt: wenn ich die Möglichkeit durch die Taten zeigen könnte, daß Palästina den Juden gegeben wird, dann wird das jüdische Volk wollen. Und da versuchte er nach beiden Seiten hin. Er versuchte, indem er dachte: wenn die Hohe Pforte in Einsicht dieser logischen Formulierung, ohne daß hinter uns Machtfaktoren stehen, doch zu dem Entschluß kommen könnte, uns einen Charter zu gewähren und uns gewisse Zugeständnisse zlu machen, dann wird die gesamte Judenheit von diesem Geist erfaßt werden. Dann wird die gesamte Judenheit alles machen, und dann haben wir das Machtmittel, um das Ziel zu erreichen. Die türkische Regierung ist darauf nicht eingegangen. Daraufhin hat sich Dr. Herzl machtlos erwiesen trotz seiner genialen Vorsätze. Aber etwas anderes ist geblieben und müssen wir immer wiederholen: das jüdische Volk hat noch nicht gezeigt, daß "es will/ und da ist für uns folgendes von Wichtigkeit: Sanktionieren wir diese Tatsache, so haben wir öffentlich erklärt, daß der Zionismus Fiasko erlitten hat; sanktionieren wir diese Tatsache nicht, dann kommen wir zum jüdischen Volke und sagen: wir haben euch eine Wahrheit gebracht, in eurer Hand war die Möglichkeit ^sie zu verwirklichen. Ihr habt es nicht gewollt. Der Zionismus'•••hat nicht im geringsten Fiasko erlitten. Denn wenn das jüdische Volk nicht gewollt hat, kann es nicht s'agen: der Zionismus hat nicht erfüllt, was< er gewollt hat. Wenn die Juden, die mit einer anderen Lehre kommen, sagen: jetzt gehen wir auf dem Wege der Erfüllung des Zionismus — und das ist die wesentliche Frage — jetzt komme die praktische Arbeit, bis jetzt wurde nur geredet über den Zionismus, von jetzt ab wird gearbeitet werden, von jetzt ab wird der Zionismus verwirklicht werden, so beginnen wir damit eine kolossale Unwahrheit. Niemand wird sagen können, daß wir die Verantwortlichkeit übernehmen können für die allernächste Zukunft und für den Weg, den wir beschreiten wollen. Meine Damen und Herren! Der Weg ist ja schon einmal