Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 281 (sequence 279)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 281 — Palästina schon heute notwendig. Sie ist notwendig zur Eroberung des Landes, denn diese kann nur langsam vor sich gehen, sie ist aber auch notwendig für uns hier. Wenn wir auch nach zwei Jahren wieder davor stehen, daß wenig in Palästina geschehen ist, so geht die ganze Bewegung in Europa zugrunde. (Zustimmung.) Wir sind reife Politiker. (Widerspruch.) Wir sind es. (Heiterkeit und Beifall im Saale und auf den (Galerien.) Präs. Wolffsohn: Ich möchte an unsere Gäste die Bitte richten, sich weder mit Beifallsnoch mit Mißfallenskundgebungen zu beteiligen, das besorgen wir schon selbst. (Lebhafte Heiterkeit.) Del. Stand: Vor Jahren haben wir die Leute durch tReden entflammt. Der Enthusiasmus ist da. Um diesen weiter zu erhalten, zu stärken und zu einer solchen Potenz zu bringen, wie sie die Jugend bedarf, daz'u sind Taten notwendig, und die beste Rede wird sein, wenn in Palästina noch ein „Bezalel" und noch eine jüdische Bank entsteht und wenn gute jüdische Arbeiter dort arbeiten werden. (Lebhafter Beifall.) Herr Cowen hat vormittags einen Vergleich gemacht, der nicht sehr glücklich war. (Sehr richtig.) Er sagte, daß wenn wir heute nach Palästina gehen, es so ist, wie wenn jemand in ein Hotel kommt, w^o steht, „Hier ist Juden der Eintritt nicht gestattet". Ich glaube, es besteht hier ein prinzipieller Unterschied. Der Jude, der in ein solches Hotel hineinkommt, verdient unsere Verachtung. Der Jude aber, der geradeswegs nicht in ein fremdes Hotel, sondern in unser Land, in das uns seit Jahrtausenden gebührende Land kommt, verdient unsere Bewunderung. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Dann versteht auch der Herr überhaupt nicht, was das Wort Schmuggel heißt. Man schmuggelt sich allenfalls in ein fremdes Haus hinein. Niemand schmuggelt sich aber je in das eigene Haus hinein. (Stürmischer Beifall.) Und so werden auch wir es tun. Wenn einer in ein judenreines Hotel kommt, werden wir dem Wirt sagen: Den sollst du hinauswerfen! Wenn aber Juden unter solchen Verhältnissen nach Palästina gehen, dann sollen wir sie unterstützen und trachten, daß sie dort bleiben können. (Lebhafter Beifall.) Meine Herren! Eine Bewegung ist wie ein einzelner Mensch. Sie besteht aus einem Körper und aus einer Seele. Der Körper, das ist die Organisation, das sind die Kongresse, das ist das ganze Leben in Europa und Amerika. Die Seele aber, das ist unser Land und unser Volk in Palästina. Und wenn wir überhaupt diesen Organismus erhalten wollen, dann trachten wir, daß die Seele fortwährend gestärkt werde, denn wenn wir einige Jahre nichts tun, wenn die Seele zugrunde geht, kann sich auch der Körper begraben lassen. (Beifall.)