Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1907-01-01 · 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907 · p. Seite 273

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
Date
1907-01-01
Page
Seite 273 (sequence 271)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3476254-3476270--2848-3478988
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 273 — auf eine Aus drucksform in der Rede des Herrn Dr. Ehrenpreis aufmerksam machen, die meines Erachtens einer Berichtigung bedarf. Herr Dr. Ehrenpreis sprach von Lehrer-Seminarien, wo Religionsunterricht und Assimilation gepredigt wird. Wir wissen alle, daß der „Hilfsverein der deutschen Juden" mit dem Lehrer-Seminar in Jerusalem wirklich eine nationale Tat vollzogen hat. Etwas anderes ist es aber, wenn alle Lehrer- Seminarien, wo Religionsunterricht erteilt wird, mit den Assimilations-Bestrebungen identisch erklärt werden. Es gibt sehr viele Lehrer-Seminarien, wo Religion unterrichtet wird, und wenn der Unterricht im jüdischen Sinne erteilt wird, kann er nicht assimilatorisch, sondern muß national sein. Der Zionismus muß jüdisch sein, oder er wird überhaupt nicht sein. Wir können nicht vom Religionsunterricht sprechen und in einen Topf damit Assimilations-Bestrebungen werfen. Präs.: Ich richte an die Generalredner die Bitte, daß Sie sich kurz fassen, damit kein Antrag kommt, unsern Zehnminuten-Beschluß aufrecht zu erhalten. Es sind neun Redner zur Generaldebatte bestimmt, und wenn jeder nur zehn Minuten spricht, brauchen wir mit den Zwischenfällen mindestens zwei Stunden. Dann folgt erst die Spezialdebatte über die einzelnen Punkte, und vergessen Sie nicht, daß morgen noch ein sehr wichtiger Punkt zur Beratung vorliegt, nämlich die Organisation. Ich richte daher nochmals die dringende Bitte an die Generalredner, sich so kurz als möglich zu fassen. » Generaldebatte über die Palästinafrage Deleg. Dr. Sckeinkin (mit lebhaftem Beifall und Händeklatschen begrüßt, spricht Hebräisch und dann im Jargon, Dr. Niemiro wer gibt eine gedrängte Inhaltsangabe): Herr Dr. Scheinkin bedauert, daß die Sprache Zions noch im Exil gebraucht und nicht auf dem Kongresse allgemein verstanden wird und fährt fort: Wahrhaft praktisch kann nur über Palästinafragen urteilen, wer in Palästina wohnt. Dort sieht man, daß Industrie und Agrikultur eng miteinander verbunden sind. Im lebendigen Zionismus Palästinas haben die Unterschiede zwischen praktischem iund politischem Zionismus keine Geltung. Dieser Unterschied ist ein Produkt der Diaspora. In Palästina ist j e d e Funktion zionistisch. Wie unpraktisch oft die Behandlung palästinensischer Angelegenheiten hier ist, zeigt die Bemerkung bezüglich des Verbots der Einwanderung. Dieses Verbot hätte Bedeutung, wenn man zur Imigration mit Paradereklamen aneifern sollte. Bei uns handelt es sich aber darum, die Juden in Palästina festzuhalten und vor Auswanderung zu bewahren. Der Redner meint ferner, daß der Zionismus kein Spiel ist, daß man endlich1 mit wirklicher Privatarbeit beginnen müßte. Diejenigen, die mit ihrer letzten Habe kommen, können nicht die Pioniere der Privatinitiative sein; sie befinden sich wie ein irrendes Schiff auf dem Meere. Dagegen könnten die Reichen viel unternehmen. Es gibt im zionistischen Lager 150 Personen, die große Summen anlegen könnten. Ist das Geld in Palästina unsicher, dann darf man dort nicht die öffentlichen Gelder anlegen, ist es sicher, dann sollte nicht der Professor der Botanik Warburg das Syndikat

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.