Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 270 (sequence 268)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 270 — in einer fremden Sprache berät und nicht in der eigenen Volkssprache? Haben je Männer die Geschicke eines Volkes leiten wollen, ohne die Sprache und die Geistesschätze dieses Volkes zu kennen? Und wenn wir so viel davon reden, daß wir die Kultusgemeinden und die großen jüdischen Organisationein nationalisieren wollen, müßten wir nicht vorerst bei uns selbst anfangen, indem wir den Kongreß und unsere eigene Organisation nationalisieren, d. h. hebräisieren? Es gilt nun, hoher Kongreß, alle diese Ansätze, die ich hier nur flüchtig skizzieren konnte, zu zentralisieren, zu vereinheitlichen und planmäßig weiter auszubauen. Dazu muß ein eigenes ausführendes Organ — ich nenne es Erziehungsamt — aber auf den Namen kommt es nicht an — geschaffen werden, das mit den nötigen materiellen Mitteln auszustatten wäre. Dieses ausführende Organ wird seine Aufmerksamkeit zunächst einer fundamentalen Frage zuwenden müssen, die ich hier nachdrücklichst betonen muß: der Lehrerfrage. Ich meine, dies ist im gegebenen Augenblick die Frage der Fragen. Die Frage der nationalen Erziehung ist heute vor allem die 'Lehrerfrage. Wir haben in der ganzen Diaspora keine fachlich geschulten hebräischen Lehrer, welche pädagogische mit judaistischer Schulung vereinigen würden: die Ausnahmen, die unleugbar vorhanden sind, bestätigen nur diese Tatsache. Und wir können auch keine haben, denn esbestehtheute in der ganzen Diaspora kein einziges Lehrerseminar, das nach seinem Programm und seinem Gesamtgeiste geeignet wäre, die Lehrer für die Aufgaben der nationalen Erziehung vorzubereiten. Die zahlreichen Seminare und Präparandien für jüdische Lehrer sind mehr oder weniger für die Zwecke des oben skizzierten Religionsunterrichtes zugeschnitten und können darum für uns nicht in Betracht kommen. Dort wird nicht lebendiges Judentum gelehrt, ebensowenig wie man dort lebendiges Hebräisch lehrt — unser heutiges Hebräisch und unser Geistesleben von heute sind überhaupt vom Lehrplan all dieser Rabbiner- und Lehrerseminare ausgeschlossen. Die einzige Lehrerbildungsanstalt, die sich bemüht, den Anforderungen der nationalen Erziehung gerecht zu werden, ist meines Wissens die vorr^ Hilfsverein begründete Lehrerpräparandie in Jerusalem. Allein auch diese Anstalt ist bei ihrer heutigen lokalen Begrenzung — sie ist zunächst lediglich für Palästina eingerichtet — nicht geeignet, der zentral gedachten Aufgabe der Lehrererziehung für die Diaspora, also dem Lehrerexport, in befriedigender Weise gerecht zu werden. Eine solche zentrale Lehrerbildungsanstalt in Palästina ins Leben zu rufen, sei es im Anschluß an die bereits bestehende Präparandie< des Hilfsvereins oder unabhängig von derselben, wäre die erste