Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 267)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476270--2844-3478984- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 269 — sein kann. Wir aber dürfen und können nicht warten. Serien Sie denn nicht alle, wie die Jugend, die des Judentums unkundige Jugend, neue Inhalte und neue Ideale sucht und immer mehr nach außen gravitiert, gleichviel wohin, immer aber vom Judentum weg? Darum beeilen wir uns, solange es nicht zu spät ist, und tun wir, was schon heute in unserer Macht liegt. Wir müssen demgemäß verläufig außerhalb und neben den bestehenden offiziellen Erziehungseinrichtungen Organe schaffen, um die heute übliche jüdische Erziehung im nationalen Sinne zu ergänzen. Und es sind auch schon, mancherlei, wenn auch geringe Ansätze dazu vorhanden. Dank dem noch nicht genügend gewürdigten erziehlichen Einfluß der hebräischen Publizistik und dem Einfluß, den die wiederholte Formulierung dieser Postulate auf unserem Kongresse in manchen zionistischen Kreisen, besonders unter einem Teile der Jugend ausübte, konnte man in den letzten Jahren hier und dort Regungen, des guten Willens sehen, für die nationale Kultur etwas zu tun. Hierher gehört die fortgesetzte Bildung privater hebräischer Sprachkurse — zunächst allerdings noch unsystematisch und planlos — die zuletzt besonders in Galizien nennenswerte Resultate zutage förderte. Die hebräischen Lehrbücherverläge — man könnte hier beinahe von einem „Zuviel des Guten" sprechen — haben bei allem Mangel an Einheitlichkeit doch für den jüdisch-nationalen Unterricht eine Reihe wertvoller Behelfe geschaffen und die Bahn für eine weitere Entwicklung geebnet. In manchen Ländern (Palästina, Rußland, Galizien, Bulgarien) sind Ansätze zur Bildung jüdischer Lehrerorganisationen und zur. Vereinheitlichung des hebräischen Lehrplanes zu verzeichnen. Und hier im Haag, während wir hier tagen, sind die Fundamente für zwei nationale Sonderorganisationen gelegt worden, die, gleichsam unsere Kongreßorganisation ergänzend, sich die Pflege spezieller Zweige der nationalen Kultur zur Aufgabe stellen, ich meine die Organisationen „Sinai", für die Pflege der hebräischen Literatur — welche Gründung zunächst der Opferfreudigkeit eines einzelnen ihr Entstehen verdankt — und „Ibriah" für die Wiederbelebung der hebräischen Sprache. Wir begrüßen das Entstehen dieser Organisationen mit aufrichtiger Freude und wünschen ihnen Erfolg und Gedeihen. In diesem Zusammenhange muß ich auch den gestern hier eingebrachten Antrag Sokolow erwähnen, der nicht, wie manche meinen, eine bloße Demonstration ist, sondern vielmehr ein ernster Schritt zur Nationalisierung unseres Kongresses. Dieser Antrag erscheint mir so einleuchtend und, ich möchte sagen so selbstverständlich, daß er eigentlich keiner weiteren Begründung bedarf. Hat man je gehört, daß die Nationalversammlung irgend eines Volkes