Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 267 (sequence 265)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 267 — durch die Macht der Tatsachen die ihr eigene, nur ihr entsprechende Erziehungsform. Das Ghetto schuf den Cheder, die Emanzipationsepoche schuf den Religionsunterricht, die Renaissanceepoche aber, in der wir leben, wartet noch immer auf die ihr adäquate Erziehungsform — die nationale Erziehung. Noch besteht im Osten teilweise der alte Ghettocheder, im Westen blüht der verbürgerlichende Religionsunterricht, aber die Organe für die nationale Erziehung harren noch ihres Schöpfers. Die früheren Erziehungsformen im Judentum entsprachen völlig dem Gesamtgeiste ihrer Zeit. Der Cheder war die einzig adäquate, einzig folgerichtige Erziehungsform des Ghetto und er erfüllte durchaus seine Mission — die soziale; und kulturelle Abschließung der Judenheit von der Außenwelt. Der Cheder sollte die Mauer sein, um unsere nationale Eigenpersönlichkeit gegen den übermächtigen Ansturm fremder Lebensformen und Kultureinflüsse zu schützen. Darum beschränkt sich der Unterricht lediglich auf das Talmudische, darum wurde alles sorgfältig ausgeschieden, was nur im entferntesten einen Uebergang zur Außenwelt bilden konnte, selbst ein eingehenderes Studium der Bibel und des Hebräischen Der Cheder hat im Ghetto seine Mission erfüllt. Jetzt 1 verschwindet er, weil er verschwinden muß. Wir werden ihm keine Träne nachweinen, wir werfen ihm aber auch keine Steine nach. Nun kam die Emanzipationsepoche, und sie schuf die ihr entsprechende Form der jüdischen Erziehung — den Religionsunterricht. Seine historische Mission war der des Cheders gerade entgegengesetzt. Der Religionsunterricht will alle Mauern niederreißen, alle Unterscheidungen aus der Welt schaffen, alles Eigene unterdrücken, verwischen, vernichten. Sein Endzweck ist die völlige bürgerliche und nationale Verschmelzung. Darum reduziert er das Judentum lediglich auf das monotheistische Bekenntnis, das jüdische Volk schrumpft zxim „Bekennertum" zusammen. Darum ist ihm das Hebräische nicht Sprachunterricht (und noch viel weniger Nationalsprache- Unterricht), sondern lediglich Vokabelnunterricht, als Mittel zum Verständnis des Glaubensbekenntnisses und einiger Bibel- und Gebetstellen. „Das Hebräische kann zurzeit (!) aus dem Lehrplan des Religionsunterrichtes nicht entfernt werden", sagt Maybaum. in seiner Methodik des jüdischen Religionsunterrichtes, „aber es soll nicht über dasjenige, was zum Verständnis des Gottesdienstes notwendig ist, hinausgegangen werden." Ebenso ist der Geschichtsunterricht hier vorwiegend Dogmen- und Synagogengeschichte, rein archäologisch, das Judentum als Museumskuriosität behandelnd, als etwas Gewesenes und Abgeschlossenes, — eine palästinensische Mumie. So daß, um