Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 266 (sequence 264)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 266 — wie dieser, ebenso unnational wie dieser. Wir sollen, losgelöst von allen historisch-nationalen Zusammenhängen, an irgendeinem Datum anfangen eine Nation zu sein, auf irgendeinem Territorium, mit irgendeiner Nationalsprache. Wir aber, die wir auf dem Boden der historischen Kontinuität und des universal-nationalen Zusammenhanges der Juden stehen, lehnen jede Art von Territorialismus energisch ab. Wie wir die Ueberzeugung haben, daß das jüdische Volk nur auf seinem historischen Boden in Palästina zu neuem Leben erwachen kann, ebenso fest ist unser1 Glaube, daß der Jüdische Geist nur1 in den alten und jungen Lauten unseres teueren Hebräisch seine Wiederauferstehung feiern wird. Darum lehnen wir den Jargon — jeden Jargon — als Nationalsprache ebenso entschieden ab, wie wir Galveston als Judenstaat ablehnen. Dieser hier nur flüchtig skizzierte geistige Pogrom, der ein nicht geringeres' nationales Unglück ist als die Massakres, müßte allen die Augen darüber öffnen, daß das bloße zionistische Parteibekenntnis zur faktischen Wiedervereinigung und zum Wiedergeborenwerden der jüdischen Nation nicht aus^ reicht, daß' vielmehr der jüdische Nationalismus von seinen Bekennern innerlich erlebt werden, mit ihrem Seelenleben organisch zusammenwachsen muß. Das aber kann nur im Wege der nationalen Erziehung erreicht werden. Es genügt nicht, nur Zionist zu sein und auf dem Boden des Baseler Programms zu stehen, man muß zunächst Jude sein und auf dem Boden des historisch gewordenen Judentums stehen. Es ist gewiß ein Kuriosum, daß so viele Juden noch keine Zionisten sind, aber es ist ein noch größeres Kuriosum, daß gar manche Zionisten noch keine Juden sind. Der Zionismus ist der auf ein bestimmtes Ziel gerichtete jüdische Wille. Darum ist der jüdische Wille das Primäre, der Zionismus das Sekundäre. Man muß vorher Jude, innerlich bewußter und wissender Jude sein, um in Wirklichkeit Zionist werden zu können. Bloß auf Grund der Formel einer Parteiorganisation Zionisten zu werben, ohne gleichzeitig für die nationale Erziehung der heranwachsenden Geschlechter und unserer Massen zu sorgen, das heißt: Pflanzen versetzen wollen, nicht indem wir ihre Wurzel tief in den Erdboden stecken und diesen bewässern, sondern indem wir die Pflanzen an die Erdoberfläche mit Gummiarabikum zu kleben versuchen. Was wirklich wachsen soll, muß vorerst Wurzel fassen. Worin soll nun diese nationale Erziehung bestehen? Was uns heute nottut, was uns bis heute noch fehlt, ist — allgemein ausgedrückt — die Erziehungsform, die dem Wiedergeburtsideal allein adäquat ist. Denn, meine Verehrten, jede geschichtliche Epoche, jede Lebensform der Nation schafft