Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 257 (sequence 255)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 257 — Westminster-Abtei, was für die Holländer die Grüfte und Taten ihrer Vorgänger, ihrer Prinzen, ihrer regierenden Häuser ist, es bedeutet, was die leitenden Geister der Welt hinterlassen haben, was wir als rechtmäßiges Erbgut beanspruchen und nicht aufgeben wollen. Was beanspruchen wir? Wir beanspruchen, die Kultur der modernen Welt gegeben zu haben, wir beanspruchen, die Welt vor moralischer Fäulnis gerettet zu haben. Wir beanspruchen, die Traditionen, die in Palästina geboren und großgezogen worden, zum Gemeingut der Welt zu machen. Darauf verlangen wir ein Anrecht, daß die Werke unserer Kultur, die Werke unserer Moral, die Werke der Zivilisation, in unsern rechtmäßigen Besitz zurückgegeben werden. (Lebhafter Beifall.) Wie arbeiten die andern Völker? Und das müssen wir fragen, wenn wir politisch geschult sind. Hier kommt die Frage des politischen Zionismus in Betracht. Wie arbeiten die andern Völker, um sich Anspruch auf Territorien zu sichern? Die einen durch Kanonen und Flotten, die , andern stützen sich auf ihre Rechtstitel, indem sie sich mit der Vergangenheit als eins erklären. In Palästina gibt es Stätten, die durch die Tradition geheiligt sind, die das Erbgut des jüdischen Volkes sein müssen, wo aber jedes andere Volk sich ängstlich bemüht, Besitz zu ergreifen, um sein Anrecht auf Palästina zu stärken. Wo bleiben wir? Wie knüpfen wir an die Vergangenheit an? Wie können wir mit unsern beschränkten Mitteln etwas Großes, Moralisches leisten, welches von der Welt als solches anerkannt werden muß, was nicht Privatbesitz werden kann, sondern d,er Ausdruck des nationalen Willens und des nationalen Eigentums werden kann. Es gibt manche unter Ihnen, die sich für Gräber und Monumente nicht begeistern. Unsere Vergangenheit ist aber nicht begraben. Unsere Großen liegen dort nicht, sie leben in uns und leben in diesem Kongreß. Uns hat man nicht eingesargt; es sind die Monumente der Vergangenheit, die wir wieder beanspruchen und leicht erwerben können und wodurch wir unsern moralischen Anspruch auf das Land zu beweisen in der Lage sind. Es handelt sich nicht um Vieles, nicht um Großes, es sind Sachen, die in der Möglichkeit liegen, aber der Welt gegenüber unsere nationale Bewegung charakterisieren, werden. Es handelt sich nicht darum, eine Kolonie zu kaufen, die einer heute besitzt und morgen wieder verkaufen kann, das ist Privatarbeit, ausgezeichnete Arbeit, für die wir gewiß nach Kräften eintreten werden. Der Mensch lebt nicht vom Brot allein, er lebt vor allem vom Geist, der allein uns beseelt. Das ist der jüdische Geist, den wir dort brauchen und den wir wieder ins Leben rufen müssen. Das ist das Monument unserer unzertrennlichen Verbindung mit dem Lande der Welt gegenüber. Ich komme zum Schluß. Es sind noch viele Fragen, die man hier erörtern könnte. Aber an eines lassen Sie mich doch Sie erinnern. Es gibt auch eine große Kultur-Mission, die wir in Palästina erfüllen können und werden, wenn wir uns selbst bew*ußt werden. Es ist nicht genügend, uns mit den Tagesfragen zu beschäftigen. Eine nationale Bewegung muß auch auf die Zukunft bedacht sein. Was ist die Bedeutung, welche die Juden in der Welt bis jetzt gehabt haben? Welchen Anspruch erheben wir in der modernen Zeit auf Anerkennung und Achtung der Juden? Wir sagen, während der Zeit der mittelalterlichen Verfinsterung waren die Juden die Kulturträger in Europa, die Juden haben die Kultur des Orients dem Okzident übergeben, sie bereichert, verschönert und vertieft. Wir waren die Repräsentanten des geistigen Lebens und haben so die moderne Zivilisation begründet. Nun harrt unser eine ganz nämliche und ebenso bedeutende Mission im Heiligen Lande. Das ist die Mission, an die ich Sie erinnern muß, wenn wir zurückkehren mit dem Besitz der nationalen Monumente, mit der Anerkennung unserer Rechte als nationalen Besitz, mit unserer Vermittlung der westlichen Kultur.