Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 245 (sequence 243)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 245wir versuchen zu helfen. Wir dürfen1 uns nicht auf deii Standpunkt stellen,- daß w i r zu warten haben, bis die anderen zu uns kommen und uns in unseren Bestrebungen unterstützen. W i r müssen vielmehr sehen, die anderen zu ermutigen, mit uns zu arbeiten, indem wir die Notwendigkeiten des: Landes und die Möglichkeit anderer Organisationen, in unserm Sinne4 ebenfalls zu arbeiten, herausfinden. Heute schon gibt es eine Körperschaft von -g-r o ß e r B e d e n tung für Palästina, eine Körperschaft) die nicht zionistisch ist, die nicht einmal national ist — der Hilfsverein deutscher Juden, ■ Ich will Ihnen an einem Beispiel zeigen, welches Maß von Zusammenarbeiten möglich ist. Wir haben in Palästina einen Informationsdienst für Einwanderer geschaffen, einen Informationsdienst, den der letzte Kongreß hätte schaffen können, den er aber abgelehnt hat. Dieser Informationsdienst brauchte ein Budget. Als es sich darum handelte, kamen mehrere Organisationen zusammen, uiru dieses Budget zu decken. Für Palästina haben wir das Geld vom H i 1 f s ve r e i n der deutschen Juden, bekommen. Die palästinensischeste Institution, die wir in det Judenheit haben, das Odessaer Komitee, gab ihr Geld für O d e s s a und Konstantinopel! Hier ist solch ein erstaunliches Beispiel von zionistischer Tätigkeit antizionistischer Organisationen, daß ich; nicht weiß, wo unsere Hoffnungen Halt machen sollen. Auf alle Fälle sollten unsere Anstrengungen nicht Halt machen, in diesem Sinne zu wirken! Wir haben in Palästina mit den Kolonisation vereinen zu rechnen. Es gibt Möglichkeiten eines Zusammenarbeitens mit der A11 i a n c e. (Del. Dr. S c h a 1 i t: Das möchte ich sehen!) Es gibt eine Möglichkeit, die Chäluka so zu beeinflussen, daß sie in unserm Sinne wirksam wird. Wir können durch Organisation des palästinensischen, besonders des Jerusalemer Wohltätigkeitswesens, einschneidende Aenderungen in dem jetzigen Zustand des Landes treffen, und diejenigen Organisationen, die in'Palästina arbeiten und nicht über solche Kräfte verfügen wie wir, die werden froh sein, wenn wir ihnen helfen und s i e werden wieder uns helfen. Das sind die zwei Arten von Politik, die türkische und die jüdische, die ich bei dieser vorgeschrittenen Zeit des Kongresses nicht mit großer Ausführlichkeit vorlegen kann, aber ich will hoffen, daß diese Anhalts-' punkte genügen werden, um Ihnen zu zeigen: in dieser Richtung liegen unsere Möglichkeiten. Ich komme noch einmal darauf zurück, daß wir die- Jugend in diesen letzten Jahren nicht gewonnen haben. (Unruhe.) Ich werde warten, bis ich sicher bin, daß im Saale Ruhe herrscht. ,Präs.: Das Präsidium hat die Geschäfte des Kongresses zu führen und wird mit großem Vergnügen Ihre Reden dann nachlesen. Daß wir aber alle Geschäfte vernachlässigen, kann ich mir nicht vorwerfen lassen. Pel. Trietsch (fortfahrend): Ich habe nichts gesagt, was sich gegen^ das Präsidium richtet, ich sagte nur, ich will warten, bis ich' sicher bin, daß im Saale Ruhe eintritt. Der Herr Präsident wußte aber, was wenigstens einigermaßen berechtigt gewesen wäre und hat nun darauf Bezug genommen. Ich wollte nicht rügen, daß der Präsident den Redner vernachlässigt, sondern wollte nur, daß die Tribüne den Redner nicht vernachlässigt. (Heiterkeit.) Also: wir haben die Jugend bisher nicht gewonnen. Die Politik der zionistischen Bewegung, wie sie jetzt geleitet wurde, „warte t". Die Jugend ist aber nicht fürs Warten. Die Politik der zionistischen Bewegung sagte der Jugend: Bereitet euch vor, in so und so viel Jahren werdet ihr herankommen, inzwischen sammelt eure Kräfte! Aber die Jugend will auch Gegenwartsarbeit haben. Sie will eine Betätigung für ihre1 Kräfte. Da gibt es ein Sprichwort: „Begeisterung ist keine Herings-