Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 243 (sequence 241)
- Language
- German, English, Hebrew
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Nachdruck hier zeigen, welches unsere Chancen im türkischen Reiche sind und welche Aussichten wir in andern Ländern haben, und da möchte ich darauf zurückkommen, was in jener Zeit, als England und die englischen Juden uns England verschließen wollten, die Türkei getan hat! Ich war damals in Rumänien und in der Türkei und kenne diese Verhältnisse besser als die meisten hier. Ich habe sie auch früher gekannt als andere. Zu jener Zeit, als alle Türen in Europa den rumänischen Juden verschlossen waren, hat die Türkei ihre Tore geöffnet, und zwar nicht unter Bedingungen wie Amerika, selbst in den besten Zeiten Amerikas, sondern sie hat sie weiter geöffnet. Auf türkische Kosten hat man Juden angesiedelt in der Türkei (lebhafter Beifall), nicht einige wenige; sondern mehr als tausend, und wenn man von unserer Seite nicht tatenlos daneben gestanden wäre, als die Türkei sich! um unsere flüchtigen Bruder kümmerte, dann wäre ein großes Gebiet offen gestanden für uns, nicht nur in der Türkei, sondern aucth; in Palästina. (Rufe: Anatolien.) Wenn wir in Anatolien uns emiria! als loyale türkische Bürger erwiesen hätten, was hätte dann gehindert, eine bedeutende Zahl von jüdischen Auswanderern nach Palästina zu bringen? Aber wir haben diese große Gelegenheit verpaßt, und der Grund, weshjalb damals die Einwanderung abgeschnitten werden mußte, war, daß die jüdischen Organisationen nicht gesorgt haben für die Ju,den, welche hinkamen, und es geschah, daß tausend rumänische Juden in Anatolien eingeandert sind ohne einen Pfennig, in einem solchen Zustande, daß vom ersten Tage an die türkische Regierung jedem ein Laib Brot und auch Geld geben mußte, um den Flüchtlingen über die ersten Schwierigkeiten hinwegzuhelfen. (Hört! Hört!) — Welches europäische, welches christliche Land hätte so etwas getan? v Nun gibt es aber noch andere Dinge, die zu erwähnen sind. Die Juden haben in der Türkei eine außerordentliche Chance, die von unserer Seite noch niemals ernstlich erwogen worden ist. Die Türkei ist ein Staat, in welchem Mohammedaner, Christen und Juden zusammenwohnen. Aus der Konstellation der Bewohnergruppen ergeben sich Schwierigkeiten für die Türkei, namentlich aus den christlichen Majoritäten. An manchen Orten gibt es aber auch' eine jüdische Majorität und diese .hat manchen Ort im Laufe der letzten Jahre gesichert für die Türkei, als sie in Gefahr war, durch die christlichen Bevölkerungsgruppen Schwierigkeiten zu bekommen. Die Türkei weiß dies auch, und Se. Majestät der Sultan hat sich selbst gegenüber maßgebenden Vertretern der türkischen Juden vor mehreren Jahren dahin ausgesprochen, die Juden sollten mehr wie bisher die türkische und arabische Sprache erlernen und sich um den türkischen, Staatsdienst bewerben. Dies liegt natürlich auch im eigensten ktteresse der Türkei. Bis vor kurzem hatten speziell die Armenier Chancen, in der Türkei vorwärts zu kommen. Sie waren geradezu bevorzugt für Staatsämter, selbst gegenüber den Mohammedanern. Sie wissen, was damals vorkam. Die Armenier ließen sich von christlicher Seite aufhetzen,. gegen die Türkei vorzugehen, es erfolgten die großen Massakres, und was geschah? Zur Zeit, als der Aufruhr in Armenien tobte, zur Zeit, als Tausende von Armeniern in Konstantinopel hingeschlachtet; wurden, in diesen furchtbaren ^und aufgeregten Zeiten ist nicht einem Juden ein Haar gekrümmt worden. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wo in aller Welt würde zu einer Zeit von Unruhen, JRaub, Mord und Totschlag der Jude sicher seines Weges ziehen können? Noch mehr! Armenier, die sich retten wollten, haben sich zu Juden geflüchtet und waren dort sicher! (Erneuter lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Die Quintessenz dessen, was Mr. Cowen hier hat sagen wollen, wenn ich ihn recht verstanden habe, war die Bevorzugung der Politik