Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 240)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 242 — denn das wäre auch unser Tod. Entweder glauben Sie, wie Dr. Nossig gesägt hat, an den Triumph des politischen Zionismus oder wir haben eine nationale Liquidation. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen./ Del. Trietsch: Meine Damen und Herren! Die etwas komplizierten Verhältnisse in der Türkei kann man benutzen, um s o oder s o zu sprechen. (Sehr richtig!) Mr. Cowen hat sei n e Version gegeben und Versucht, auf den Kongreß Einfluß zu nehmen durch Betonung gewisser Schwierigkeiten und Außerachtlassung von Fakten. Mr. Cowen ist davon ausgegangen, daß ein Verbot gegen die jüdische Einwanderung in Palästina existiere. Es läßt sich nicht bestreiten, daß in dertürkischen Verwaltungspraxis Maßnahmen vorgesehen sind, die zu zeiten,. wenn es der türkischen Regierung angemessen erscheint, als Handhabe dienen, die jüdische Einwanderung einzudämmen oder zu erschweren. Das ist die Theorie, die Praxis ist eine a n d e r e. i Eine starke Einwanderung hatt stattgefunden in den letzten Jahren, in denselben Jahren, in denen die Pforten der westeuropäischen Länder und Amerikas sich uns immer mehr verschlossen haben. (Beifall.) Es gibt hierzu sogar sehr merkwürdige Tatsachen, aus denen wir nur versäumt haben, die richtigen Konsequenzen zu ziehen. Hätten wir das beizeiten getan, würden wir heute schon so weit in der Türkei stehen,. daß Mr. Cowen nicht mehr hatte von einem Einwanderungsverbot sprechen können. Wenn wir das nicht erreicht haben, war es unsere Schuld, und ich will Ihnen einige Punkte zeigen, um; dies näher auszuführen. Ich erinnere Sie an die Ereignisse, die auf die rumänische Krisis in den Jahren 1899 und 1900 folgten^ Damals standen ä wir nicht vor einer durch direkte Regierungsmaßnahmen erzwungenen, aber vor einer de facto existierenden Judenvertreibung in Rumänien. Welches Land der Welt hat diesen rumänischen Flüchtlingen damals die Tür. geöffnet? Es gab Länder, die widerstrebend einige der Flüchtlinge durchließen, im großen und ganzen war die rumänische Grenze gesperrt. Ich war damals in London und einige der Anwesenden werden sich' erinnern, wie England sich gesträubt hat gegen die Zulassung — und nicht nur England —/ sogar die engliscten Juden haben mit Erbitterung dagegen gekämpft, daß London, eine Stadt von sechs Millionen Einwohnern, überschwemmt werde von 150 rumänischen Juden, die einmal da waren. (Beifall. — Ruf: Nur ein Teil!) Einer meiner Freunde im (Kongreß ruft dazwischen : nur ein Teil der englischen Juden. Ja, wäre es denn nicht schmachvoll, wenn es mehr als ein Teil wäre? (Ruf: Welcher Teil?) Die große Mehrheit der englischen Juden, die meist selbst eingewandert waren, werden sich nicht gewehrt haben gegen das Zuströmen einiger Hundert russischer Juden. Aber gerade die maßgebenden englischen Juden, deren Stimme von der Regierung gehört wird, die haben beigetragen zur Propaganda gegen die Einwanderung von Juden. Also Mr. Cowen, der so wenig respektiert wird in seinem eigenen Lande, sollte nicht so stolz sprechen, daß wir nur dorthin gehen sollen, wo der Eintritt' ins Hotel nicht verboten ist. Ich möcjhte Mr. Cowen fragen: wo will man uns? (Sehr gut!) Man will uns nirgends. Cowen selbst ist in England nicht geachtet als Jude, sondern als Engländer. Und dann, rein und sachlich, ist Mr. Cowen dafür gewesen, daß eine Anglo-Palästina-Bank in Palästina gegründet werden soll? (Del. Cowen: Ja 1) Dann ist Mr. Cowens Prinzip von ihm selbst durchbrochen worden; (Heiterkeit.). Und wir brauchen hier nicht so große Worte zu machen von Dingen, die auf dem Papier stehen, in der Praxis aiber nicht existieren. (Es ist ein Unterschied, ob in der Türkei auf einem Stück Papier ein solches Verbot besteht, worüber ich noch eingehender sprechen werde, oder ob wir in Rumänien unter Garantie aller Mächte jedes Recht haben, de facto aber unterdrückt sind. (Lebhafter Beifall.) Ich möchte mit allem