Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 241 (sequence 239)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 241 — Redner , nicht so oft und lassen Sie ihn ausreden. Auf diese Weise werden Sie' und wir alle besser vorwärts kommen. Mr. Cowen, fahren Sie fort. Del. Cowen: Unsere erste und Hauptsorge sind die Juden, welche bereits im Lande sind. Sie sind durchaus nicht alle national brauchbare jfuden. Wir werden deshalb den Kindern eine gute jüdische Erziehung geben müssen, anstatt sie' in die Schulen der Anglo-Jewish-Alliance oder des deutschen Hilfsvereins zu schicken. (Ruf: Die Schulen des deutschen Hilfsvereins sind gut!) Umso besser. Aber die Erziehung der Alliance ist keine gute, (Ruf: Auch die' des deutschen Hilfsvereins nicht!) i S ie sehen also: ein Herr ist mit dem' deutschen Hilfsverein zufrieden, der andere nicht. Wir müssen doch den Kindern und jungen Leuten, welche in . Palästina sind, die Möglichkeit geben, gute, nationale Juden zu werden, und müssen auch alles tun, um zu vermeiden, daß die ijüngeren Elemente wieder aus dem Lande weggehen. Das ist unsere erste Pflicht, und ich glaube, wir haben wenigstens bis zum nächsten Kongreß und vielleicht auch bis zum nächstnächsten Kongreß damit vollauf zu tun. Bevor unsere Bewegung zustande kam, da war eine andere Bewegung da, die sich „Chowewezionismus'' nannte. Der. Chowewezionismus hatte nur einen Fehler. Die Chowewezionisten waren ungeduldig und wollten unter allen Umständen in ein Land gehen. Ebenso, wie die Territorialisten auch einen Fehler hätten. Auch sie waren ungeduldig und wollten nicht einmal auf das Land warten. Sie wollten nur für das Volk arbeiten. Ich glaube, daß in unserer Bewegung alle Schattierungen des Judentums Platz haben Und daß wir alle zuammen arbeiten sollten. Der Chowewezionismus hat sich als ebenso bankerott erwiesen zur Lösung der Judenfrage, wie das philanthropische Judentum. Man kann mit ein paar Kolonien in Palästina die Judenfrage nicht lösen. Eine Stunde, ein Tag wirklicher politischer Arbeit hat mehr Wert als vielleicht 50 Jahre rein kleinkolonisatorischer Arbeit. Es ist nicht die Schuld unserer Führer, wenn wir diese Stunde noch nicht gehabt haben. Es hängt von uns ab, ob wir unsere Propagande richtig treiben oder nicht, ob wir uns verkleinern oder vergrößern. Wenn wir eine kleine Gruppe von Juden bilden werden und nicht eine jüdische Tribüne, dann werden wir es unsern Führern überhaupt unmöglich machen, eine politische Tätigkeit zu entwickeln. Wir haben von dieser Tribüne aus den Appell Nordaus für Gerechtigkeit gehört. Ich möchüe auch von dieser Stelle aus an Ihre Toleranz appellieren. Nicht alle unter uns, , meine Damen und Herren, sehen die Dinge einer wie. der andere. Das ist auch gar nicht anders möglich. Es liegt in Ihrer Hand, ob Sie jeden, der nicht genau Punkt für Punkt die Dinge so sieht, wie die Majorität, aus der Bewegung »drängen wollen oder nicht. (Del. Dr. Marmorek: Das haben wir leider getanI — Rufe: Nein!) Sie haben meiner Meinung nach auf dem letzten Kongreß einen Fehler begangen (Del. Dr. Marmorek: Sehr richtig I '— Widerspruch), indem man Leute hinausgedrängt hat. Jeder, der hinausgedrängt wird, ist ein Verlust für uns, auch Zangwill ist ein großer Verlust für uns gewesen. (Lebhafter Beifall. — Widerspruch. — Präsident gibt das Glockenzeichen.) Das frühere Wiener Kabinett ist nicht mehr zu sehen, ist das nicht ein Verlust? Es-ist sehr leicht, Leute hinauszudrängen, aber sehen Sie hier im Saal herum, wo finden Sie die neue Kraft, mit der Sie die Nation wieder herstellen wollen? (Beifall.) Eine Nation wird nicht hergestellt durch Zersplitterung, in der Weise hat Italien nicht seine Einheit gefunden, und wir werden auch keine Einheit finden, wenn wir intolerant gegen ändere sind. Wir haben schon genug durch die Geschichte gelitten,' man leidet auch schon heutzutage in Rußland "genug darunter. Aber wir nehmen unser Judentum als eine Kokarde; sollen wir es ebenso schädigen, daß wir von der Geschichte nichts gelernt haben; indem wir jeden, der nicht absolut mit uns geht, in Cherem setzen? (Gelächter.) Lachen Sie nicht über den Tod des politischen Zionismus,