Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 221 (sequence 219)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 221 — nicht nach dem Ausland schicken zu müssen, und anderen wieder die Möglichkeit böte, nach Palästina zu kommen. Denn zahlreiche nissische Juden sind bereits nach Palästina gekommen, haben aber kleine Kinder, und da haben sie sich umgesehen und keine Möglichkeit gefunden, ihren Kindern eine gute Erziehung zu geben. Sie waren daher gezwungen, das Land zu verlassen. Sie wissen ja, wie hoch jüdische Eltern die Kindererziehung einschätzen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Ich spreche nicht gerade von diesem Gymnasium, vielleicht ist es zweckmäßig, eine andere Mittelschule zu gründen, aber die Frage ist reif, und es ist schon höchste Zeit, daß mindestens eine solche Schule in Palästina geschaffen werde. (Sehr richtig!) Sie sagen: Sehr richtig! Aber wir haben schon einmal den Beschluß gefaßt, in Palästina ein Gymnasium zu errichten. Wir haben es nicht eröffnet; wir werden vielleicht wieder einen Beschluß fassen und wieder nicht eröffnen. Ich werde Ihnen eine Tatsache erzählen: In Rußland, wissen Sie ja, ist die Zahl der jüdischen Schüler auch in der Mittelschule bis auf 10% beschränkt. Das Finanzministerium ist aber viel liberaler. Es hat gestattet, daß man Handelsschulen erbaue, wo die Juden sogar bis zu 40 und 50% Aufnahme finden, selbstverständlich auf Kosten der jüdischen Gemeinden. Denn das geschah in den großen Städten, und der Magistrat und die Kaufmannschaft müssen dazu die Mittel schaffen, und die Kaufleute, die die Gilde bezahlen, sind Juden. In den Gilden sindr die Juden zwar nicht vertreten, aber die jüdischen Gelder betrugen 70% von 1890 bis 1904. Es fehlen mir die genauen Ziffern, aber ungefähr haben die Juden in Rußland bloß für einen solchen Zweck mindestens 10—12 000 000 Rubel ausgegeben. Wenn wir nur einen Versuch machen und sehen wollen, ob die hebräische Sprache lebendig werden kann oder nicht! Es lohnt doch für uns, auch für einen solchen Zweck etwas zu bezahlen. Wir haben bis heute keine einzige solche Schule in Palästina. In Rußland allein haben 12 Millionen ausgegeben. Eine solche Schule muß geschaffen werden! Man hat Ihnen ferner über den Bezalel berichtet. Ich mache Sie aufmerksam, es ist kein Zufall, wenn die jemenitischen Juden kommen und Professor Schatz fragen: Seid Ihr der Reb Bezalel oder nicht? (Heiterkeit.) Man wird über sie lachen. Ich sage Ihnen, hier sitzt Professor Bezalel. (Stürmische Ovationen für Prof. Schatz.) Es freut mich sehr, daß Sie dem Professor Schatz so warme Gefühle entgegenbringen. Ich hätte mich aber viel mehr gefreut, hätten Sie diese warmen Gefühle auch seiner Schule entgegengebracht. (Erneuter stürmischer Beifall und Händeklatschen.)