Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 219 (sequence 217)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 100% known words query
- IRI
…/3476254-3476270--2794-3478934- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 219 — ist, und für sein Volk sehr viel zu leisten imstande sein wird, auch sehr viel leisten wird. Ich war in verschiedenen Kolonien und ich habe da zwei Systeme gefunden. In Petach Tikwah haben alle Knaben in der Schule ausschließlich Französisch gesprochen, die Mädchen haben ausschließlich Hebräisch gesprochen. Und das soll ein System sein. In einer anderen Kolonie habe ich gehört, die Kinder verstehen keine andere Sprache außer Hebräisch. Nun ist die Frage des hebräischen Unterrichts eine Hauptfrage, die wir uns hüten müssen, leichtsinnigerweise zu unterschätzen. Wir würden z. B. wissen, daß jeder Araber, der in die Schule der Missionäre kommt, uns verloren geht. Wir wollen doch, nicht wahr, keinen Antisemitismus im Lande haben, und den Arabern wird leicht von solchem Geiste etwas eingeflößt, wenn sie keine andere Schule haben. Der größte Teil der Araber wäre meiner Meinung nach damit voll einverstanden, seine Kinder in jüdische Schulen zu schicken. Denn es ist für ihn leichter, die hebräische Sprache zu lernen, als eine andere. Der Araber muß seinem Kind ebenso Adieu sagen, wenn er es in eine andere Schule schickt, wie die Juden in Rußland und anderswo. Jetzt finden Sie in Palästina kein Plätzchen mehr, wo nicht die Missionäre Schulen errichtet haben, selbst Rußland, das zu Hause nicht einmal Schulpflicht hat, besitzt dort Schulen, nur die Juden besitzen keine. Doch wir brauchen keine innere Mission zu treiben. Es genügt für uns, wenn die Juden nicht gezwungen sind, fremde Schulen zu besuchen. Erst seit der letzten Zeit sieht man auf diesem Gebiete eine gedeihliche Entwicklung. Auch der Hilfsverein hat Schulen errichtet, das ist die dritte Kategorie. Der Hilfsverein ist, Sie wissen ja, keine zionistische, nicht einmal eine klar ausgesprochene nationale Organisation, und doch, er leistet sehr viel. Ich habe die Schulen des Hilfsverein besucht und mir ein objektives Urteil gebildet. Der Vorsitzende des Hilfsvereins hat ausdrücklich erklärt, sein Wunsch gehe dahin, daß kein Schüler des Hilfsvereins gezwungen sein solle, das Land zu verlassen. Er strebt danach, daß sämtliche Kinder im Lande oder in Syrien bleiben. Da kommt es denn vor allem auf den Grundstock an. Es ist notwendig, daß man Kindergärten einrichtet und die sämtlichen Kindergärten nun, die bestehen, befinden sich unter dem Schutze des Hilfsvereins, und die Rothschildschen Schulen sind jetzt gezwungen, dem Hilfsverein nachzuahmen. Die ersten zwei Jahre nun wird ausschließlich in hebräischer Sprache unterrichtet. Ich habe natürlich auch viele Lehrer kennen gelernt, und soweit ich beobachtete und meine Freunde mich informiert