Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 215 (sequence 213)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 215 — zu erstatten, wäre natürlich ganz überflüssig. Ich werde also zu Ihnen nur einige Worte über das Vergangene und über das Bestehende in Palästina sprechen und ein Wort auch über das Erwünschte oder Gewünschte. Sie wissen, daß verschiedene Nationen in Palästina miteinander wetteifern, einen machtvollen Einfluß auf die heranwachsende Generation zu gewinnen. Es sind dies die Franzosen, die Italiener, die Deutschen und auch die Amerikaner, die Griechen und noch verschiedene kleine Nationen. Diese treiben aber Mission, und noch bis zum heutigen Tage muß man mit der traurigen Tatsache rechnen, daß Hunderte von jüdischen Kindern diese Schulen der Missionare in sämtlichen Städten Palästinas besuchen, und zwar erstens aus dem Grunde, weil die Juden keine genügende Zahl von Schulen haben, und zweitens, weil die jüdischen Schulen bis in die letzte Zeit nicht auf derselben Höhe standen, wie die Schulen der Missionare. Es wäre schon höchste Zeit, daß die Juden, wenn sie sich auch gar nicht mit äußerer Mission beschäftigen, es nicht mehr zulassen, daß die jüdischen Kinder gezwungen sein sollen, fremde .Schulen zu besuchen. Ich kann Ihnen unter anderem eine Tatsache mitteilen. In Beyrouth besteht ein amerikanisches College, und dieses ist das beste,, die Amerikaner machen keinen Unterschied zwischen den Nationalitäten und den verschiedenen Religionen. Sie sind überhaupt sehr tolerant, und trotzdem ist es obligatorisch, daß jeder Schüler und jeder Student die Kirche zweimal täglich besucht. Ich spreche nicht aus religiösen Motiven. Diese Gründe liegen mir fern, aber ich finde, es ist etwas Unschönes, etwas Unästhetisches in dieser Erscheinung. Jüdische Kinder müssen in die Kirche gehen! Die Juden haben sich aber sehr wenig darum bekümmert, für die heranwachsende Generation etwas Solides, etwas in sich Abgeschlossenes, Vollendetes zu schaffen und wenn wir praktische, oder wie man es jetzt nennt, reale Arbeit in Palästina leisten wollen, so hätte ich Ihnen eine i\ufgabe zu stellen, wie wir sie in jeder zweiten Klasse einer Volksschule zu lösen haben. Wir haben ein Faß mit zwei Oeffnungen, durch eine fließt das Bier oder Wasser in einer Stunde hinein, durch die zweite in einer halben Stunde hinaus. Wenn wir beide Zapfen öffnen, wann wird sich das Faß füllen? Wenn.wir von Palästina sprechen, müssen wir doch in erster Linie trachten, daß die 90 000 Juden, die dort wohnen, die unser Barvermögen darstellen, im Lande bleiben und daß diese Generation uns gehört und keinen anderen Weltteilen, besonders die Jugend. (Beifall.) Wenn wir das System der Realschule verfolgen, was sehen wir da? Der Ackerbauer und der tüchtige Agronom