Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 212 (sequence 210)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 212 — namentliche Abstimmung .verlange. (Lärm und Widerspruch. — Zustimmung.) Präs. Wolf f söhn: Ich bitte um Ruhe. (Zwischenrufe.) Herr Dr. Daiches, ich bitte bleiben Sie ruhig und stören Sie nicht den Kongreß in unnützer Weise. Es wird mir soeben mitgeteilt, daß Herr Bentwich die Ziffern der Abstimmung bezweifelt hat. Ist das richtig? (Lärm und Zwischenrufe.) Wenn ich spreche, verlange ich, daß Sie Ruhe halten. Meine Frage, Mr. Bentwich, ist klar; ich frage Sie, ob es richtig ist, daß Sie gesagt haben,, daß die Zahlen, die verkündet worden sind, unrichtig sind. Del. Bentwich: Nein. Ich sagte, daß es nicht sicher ist, weil die Ziffern so ähnlich sind, wie der Kongreß votiert hat. Deshalb beantrage ich die namentliche Abstimmung. (Beifall und Zwischenrufe.) Präs. Wolffsolm: Ich bitte die Herren Ordner, Ruhe zu schaffen. (Andauernder Lärm.) Es ist doch unerhört, daß, wenn wir hier wirklich arbeiten, wenn wir hier etwas schaffen wollen, daß in einer solchen1 Weise diskutiert wird. Es ist nicht mehr möglich, die Geschäfte zu führen, und ich richte die dringende Bitte an Sie: Wenn Sie wollen, daß wir hier arbeiten, so machen Sie es mir möglich, die Geschäfte zu führen — um mich gelinde auszudrücken. Es ist jetzt von Herrn Bentwich beantragt worden und liegt auch ein schriftlicher Antrag vor, daß namentlich abgestimmt werde. Dies hätte aber vor der Abstimmung verlangt werden sollen. Ich habe die nötige Vorsicht beobachtet und von jeder Seite vier Herren aus dem iBureaul^ angestellt, welche sämtlich gezählt und übereinstimmend erklärt haben, daßV 13° gegen 102 gestimmt haben. Ich bitte also Herrn Bentwich, über j diese Zahlen keinen Zweifel zu erheben. Es kann nicht angehen, daß die Minorität jedesmal Beschlüsse, die der Kongreß angenommen hat, in Zweifel zieht, um die Verhandlungen zu verschleppen; in Wirklichkeit bin ich sicher, daß der Kongreß, wenn wir auch dreimal abstimmen, ebenso abstimmen wird wie das erstemal. (Großer Lärm.) Del. Dr. Rosenbaum: Es könnte, ein anderer Zweifel sein; man könnte die Meinung der Minorität dahin deuten, daß sie gegen die Aenderung der Statuten sei. Deshalb beantrage ich, daß nochmals die Frage gestellt werde, wer gegen Aenderung der Statuten ist. (Lebhafter Beifall.) Präs. Wolffsolm: Das Wort hat Herr Dr. Sch. Lewin zu seinem Referat über nationale Erziehung. (Der Lärm dauert fort.) Ich mache Sie noch einmal darauf aufmerksam, daß Herr Dr. Lewin sprechen wird über nationale Erziehung. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Del. Dr. Sch. Lewin: Als der Herr Präsident mich aufforderte, meinen Vortrag zu halten, sagte ich ihm, ich gebe mich nicht hin als Opfer. Der Herr Präsident sagte: Gehen Sie nur hin und besteigen Sie die Tribüne. Warten Sie einen Augenblick. Ich sagte, ich gebe nicht hin, und ich finde das Thema für so wichtig, daß ich meinen Vortra'g eigentlich verschieben möchte, bis die Gemüter sich beruhigt haben. (Sehr richtig.) Ich wohne ja nicht dem ersten Kongreß bei, und wir wissen alle genau, daß, wenn die Erregung fünf Minuten gedauert hat, sie sich beruhigt und man dann über praktische Arbeit in Palästina reden kann. Deshalb habe ich gesagt: Ich besteige die Rednertribüne, werde aber warten, bis die Ruhe im Saale hergestellt ist, und zwar nicht meiner Person wegen, sondern der Sache wegen. Jetzt werde ich schweigen, bis der Herr Präsident Ruhe geschafft hat, anders kann ich meinen Vortrag nicht halten. (Lärm und Rufe: Abstimmen!) Präs. Wolffsöhn: Ich richte jetzt an die Herren, die dem Herrn Dr. Lewin durch ihre laute Unterhaltung es unmöglich machen, seinen Vortrag zu halten, folgende Worte; Wir haben morgen die Palästina-Arbeit. Wenn Herr Dr. Lewin jetzt nicht sprechen kann, wird er imorgen früh •v