Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 205)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 207 — Advokaten für den Prozeß sind. Ich bin auch Advokat, ich bin ebenfalls für die Fortsetzung des Prozesses und erlaube mir meine i\nsicht dahin zu äußern, daß für diese Frage eher die Ansicht der Juristen maßgebend ist als die Ansicht der nicht diesem Stande angehörigen Personen, so tüchtig sie auch sein mögen. Die Gegenargumente, die hier vorgebracht wurden, sind ja nicht ganz belanglos. Das gebe ich loyal .zu. Aber diese Argumente vorzubringen ist heute entschieden verspätet. Diese hätte man in der Generalversammlung vorbringen sollen, wo die Aenderung der Statuten vorgeschlagen und wo schon davon gesprochen wurde, daß dies gewisse Kosten nach sich ziehen werde. Das ist etwas ganz anderes als heute, wo wir uns bereits im Prozeß befinden und wo wir bereits ganz kolossale Lasten getragen haben. Jetzt die Flinte ins Korn werfen, weil wir fürchten, den Prozeß zu verlieren, wäre genau derselbe Standpunkt, den der General einnimmt, der, weil er. etwa fürchtet, er könnte die Schlacht verlieren, im Vorhinein kapituliert. Eine solche Politik können wir überhaupt nicht machen. (Sehr richtig 1 — Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Geehrter Kongreß! Mein geehrter Herr Vorredner, Herr Dr. Bodenneimer, hat hier vom Popanz gesprochen, und ich muß sagen, dasselbe Gefühl hatte ich auch, aber während der Rede des Herrn Dir. Greenberg. Als ich die Augen schloß, kam es mir vor, daß, der hier spricht, eigentlich der Vertreter des Herrn Zangwill sei. Es ist wohl seine Pflicht, uns auf die Schwierigkeiten der Lage aufmerksam zu machen, es ist aber auch andererseits seine Pflicht, auf unsere; günstige Position aufmerksam zu machen. Was für Konsequenzen es für uns haben kann und muß, wenn wir den Prozeß verlieren, weiß heute jeder, ob er Jurist ist oder nicht. Aber nicht das ist das Entscheidende, sondern ob wir, wo wir heute so sehr fürchten müssen, den Prozeß zu verlieren, deswegen zurücktreten sollen. Das hat Mr. Greenberg nicht gesagt. Er hat nur gesagt, die Presse wird schimpfen über den Zionismus. (Del. Greenberg: Nicht über den Zionismus, sondern über den J. C. T.!) Wenn wir heute den Prozeß aufgeben, riskieren wir, daß morgen ein Artikel erscheint, nicht: ,,Zwiespalt im Zionismus", sondern: „Niederlage des Zionismus", das wird die Konsequenz sein! (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Wir brauchen absolut nicht zu fürchten, daß die Bank deshalb in den Kot gezerrt wird, wenn sonst nichts vorfällt, was ich nicht weiß. (Lebhafte Zustimmung.) Wir befinden uns in diesem Prozeß, juristisch genommen, in der Lage, daß es einzig und allein, wie mehrfach klargestellt wurde, darauf ankommen wird, welcher Ansicht die Mehrheit der Aktionäre sein wird, ob für oder gegen uns. Ich glaube, jeder wird wissen, daß die Mehrheit auf unserer und nicht auf der Seite Zangwills steht. Wie kann man fürchten, daß wir den Prozeß verlieren? Eine so gewundene Erklärung, wie sie hier gegeben wird, ist eigentlich ein Leichenbegängnis erster oder zweiter Güte, und dazu sind wir viel zu stark, als daß wir uns lebendig begraben lassen sollten. (Sehr richtig!) In dieser Sache ist unsere Ehre engagiert, und