Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 187 (sequence 185)
- Language
- German, English, Hebrew
- Belongs to
- journal volume
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3476254-3476270--2762-3478902- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 187 — ja nicht dazu verpflichtet, dem Kompromiß zuzustimmen, daß Annoncen in vielen Zeitungen der Welt eingeschaltet werden. Ich gebe Ihnen nur die Möglichkeit hierzu, von der Sie Gebrauch machen können oder nicht. (Lebhafte Hört! Hört!-Rufe.) Wenn Sie bei dem nächsten Termin mit denselben Unterschriften kommen, die Sie bisher gebracht haben, dann werde ich Ordre geben, daß die Statuten geändert werden. (Lebhafter Widerspruch. — Rufe: Das hat er nicht gesagt!) Meine Herren, er hat gesagt: „I shäll make the Order!'', das heißt: Man hat diese Ordre verlangt und diese Order werde er machen. (Widerspruch.) Gestatten Sie! „Order" heißt ein Bescheid. Dieses englische Wort ist der Bescheid des Richters. D a s wird verlangt, das wird gewährt. Und er fügte hinzu: Ich kann nicht gegen den Willen der Majorität gehen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Die Möglichkeit liegt vor, daß die andere Partei sogar unsere Kosten wird zahlen müssen, wenn sie den Prozeß verliert. (Lebhafter Beifall und Widerspruch.) Auf diese Möglichkeit hat noch niemand angespielt, aber das ist englisches Gesetz. (Del. Keßler: In diesem Falle nicht unwahrscheinlich!) Das ist eine persönliche Anschauung des Unterbrechers, aber die Möglichkeit liegt doch vor. (Zwischenrufe. — Del. C o w e n: Es ist auch möglich, daß der Plafond einstürzt!) Freund Cowen sagt, auch die Möglichkeit liege vor, daß dieser Plafond herunterfalle. Herr Cowen, es gibt noch eine große Möglichkeit daß wir den Kongreß auf den Kopf stellen. (Del. Cowen: Ja, das machen Sie!). Es ist nicht ein Gesetz, aber die Möglichkeit, wie ich gesagt habe, liegt vor, daß die anderen sogar unsere Kosten bezahlen werden. Wo liegt also die Gefahr? Und was ist das Resultat dieser Diskussion hier? Darauf will ich jetzt zu sprechen kommen. Ich bin hierher auf die Rednertribüne gekommen, um mich in eine Frage zu mischen, in welche ich mich hineingelesen und hineingelernt habe, bloß, um meine Pflicht als Delegierter dem Kongreß gegenüber zu erfüllen; es ist nicht mein Ressort. Die Diskussion hier hat eine moralische Bedeutung für die öffentliche Meinung und den Richter in England. In dem Moment, wo dem Richter gesagt werden kann: Wenn auf einem rein zionistischen Kongreß, wo vielleicht Vertreter der Opposition in verschwindender Anzahl oder gar nicht vorhanden sind, ein Beschluß nach dieser Richtung möglich ist, dann ist wirklich die Möglichkeit vorhanden, daß Zangwill vollständig berechtigt ist zu seinem Widerspruch. (Beifall.) Das ist die Bedeutung ihres Votums. Wie häufig sind iooo Pfund ausgegeben worden für andere Aufgaben, die infolge von Kongreßbeschlüssen durchgeführt wurden! Die Diskussion ist künstlich hervorgerufen. (Cowen: Sehr richtig!) Ich freue mich, Mr. Cowen stimmt mit mir überein. (Cowen: Absolut. — Widerspruch des Del. G r e e n b e r g.) Präs. Wolffsohn: Ich bitte, den Herrn Redner nicht zu unterbrechen. Del. Dr. Gaster: Herr Greenberg will mit mir ein Geschäft machen: ich solle mich verpflichten, daß der Prozeß nicht mehr als iooo Pfund kosten werde. Ein billiges Geschäft. Es kann sein, daß ich noch . iooo Pfund verdienen würde. (Heiterkeit.) Denn die Möglichkeit liegt vor, daß, wenn die Herren den Prozeß in der untern Instanz verloren haben, ihnen die Lust vergehen wird, zur nähern Instanz hinaufzugehen. Das ist, wasman in England „Bluff" nennt, um der öffentlichen Meinung Sand in die Augen zu streuen. Wir verstehen den Kunstgriff ganz genau, und deshalb kommen wir vor den Kongreß. Heute handelt es sich darum, unsere moralische Bedeutung in England aufrecht zu erhalten, und da muß man zielbewußt vorgehen. Nun muß ich noch auf eine weitere Einwendung Rücksicht nehmen. Es wird erzählt, daß, wenn die Statuten einmal geändert sind, morgen eine andere Majorität kommt, die wieder eine Aenderung vornehmen wird, und die Folge davon werden