Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Journal
- Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
- Volume
- 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
- Date
- 1907-01-01
- Page
- Seite 175 (sequence 173)
- Language
- German, English, Hebrew
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— 175 — Moment! Welches Ansehen wird die Bank bekommen, welches Ansehen wird dieses Instrument des Zionismus und der Zionismus selbst in der Welt erlangen, wenn die Bank immer Prozesse führt? Der Rechtsanwalt Dr. Rosenbaum hat sich wohl auf den von Advokaten oft eingenommenen Justamentstandpunkt gestellt: wir wollen es dem Gegner zeigen, wir werden gewinnen! Ich glaube jedoch, daß unsere Stellung viel an Achtung gewinnen wird, wenn wir mit einem gewissen Edelmut unsere Waffen strecken und uns ausgleichen, wie Herr Katzenelsohn gesagt hat, mit unseren Söhnen, mit unserem Fleisch. Ich bitte daher die Ansicht der Praktiker anzunehmen und zur Geltung zu bringen, sich mit unseren Gegnern, die eigentlich gar keine Gegner sind, auszugleichen. Die ganze Sache ist eben die, daß es sich um zwei Gegnerschaften handelt, die sich ganz gut ausgleichen könnten, und ich glaube, es wäre unsere Sache, Brücken zu bauen und uns mit diesem Fleisch von unserem Fleisch auszugleichen. (Rufe: Uganda!) Es ist nicht notwendig Uganda, sondern es gibt noch andere Brücken. Es ist noch etwas zu erwähnen. Mein Vorredner hat erwähnt, daß die Kolonialbank eigentlich gegründet wurde als politisches Instrument. Das Geld der Kolonialbank sollte nicht schon jetzt zu geschäftlichen Zwecken verwertet werden, und unser verstorbener Führer Herzl war der größte Gegner der politischen Tätigkeit der Bank, und ich glaube, daß die jetzigen Verhältnisse, wenn auch Herzl kein Finanzmann war, seine Ansicht bestätigen, daß die Anlage des Geldes in Werten richtiger wäre. Man hat ein Tochterinstitut, die A. P. C., gegründet. Ich glaube, hauptsächlich aus dem Grunde, weil man sich gesagt hat: die Kolonialbank ist nicht dazu da, Geschäfte zu machen. Wer ist aber die A. P. C.? 'Diese ist eigentlich auch nur die Kolonialbank, d. h., hätte man mit der Propaganda neue Aktien für das Institut ausgegeben, das berechtigt gewesen wäre, zu arbeiten, wo es will, und selbst mit dem Risiko, das Aktienkapital zu. verlieren, so hätte man anderseits auch mit einem Gewinn gerechnet. Diese Bank kann ihr Geld riskieren, die Kolonialbank soll es aber nie riskieren. Sie riskiert es jedoch, und wenn die Direktoren sagen, daß mit der größten Vorsicht gearbeitet wird, so trifft dies vielleicht bei diesen Herren zu. Wie aber die Nachfolger dieser Herren sein werden, wissen wir nicht. Deshalb warne ich davor, 'denn wir werden vielleicht einmal das Aktienkapital der Kolonialbank suchen und es wird verschwunden sein. (Lebhafte Zustimmung). Es ist heute noch nicht zu spät. Die A. P. C.-Aktien befinden sich im Portefeuille der Kolonialbank, kaufen Sie die Aktien der A. P. C., damit Sie nicht das Odium auf sich laden, die Kolonialbank mißbraucht zu haben. (Widerspruch.) Die Aktionäre der Kolonialbank haben die Aktien gezeichnet, sozusagen ä fonds perdii zugunsten des Volkes, unter dieser Voraussetzung habe auch ich gezeichnet. Aber mit diesem Geld soll nicht gearbeitet werden, und wenn hundertmal gesagt wird, es ist nichts riskiert, so gibt es keine Bank in der WVlt, welche sagen kann, daß sie nichts verlieren kann. (Rufe: Wo soll die Bank arbeiten?) Das Geld der Kolonialbank ist ein Geld des Volkes. Ich bin dafür: zeichnen Sie Aktien der A. P. C., lassen Sie diese Bank arbeiten, das Geld der Kolonialbank lassen Sie ruhig liegen. (Beifall.) Del. Dr. Friedemann: Meine Damen und Herren! Es tut mir unendlich leid, daß ich zu Ihnen in diesem Augenblick als Jurist sprechen muß. Denn alle fachmännischen Verhandlungen auf dem Kongreß sollten verpönt sein. Ich muß Ihnen aber aus dem englischen Gesetz den Verlauf des Prozesses darlegen. In England gibt es kein geschriebenes Gesetz, sondern das Prozeßverfahren beruht auf dem Gewohnheitsrecht und ein derartiger Fall, wie er hier vorliegt, wo es sich um Abänderung der Statuten handelt, gehört zu den interessanten Rechtsfällen. Das ist aber ein Unglück für die Partei und fast so tragisch, wie wenn man krank ist