Mannheim
Compact Memory

Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in … · 1907-01-01 · 8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907 · p. Seite 118

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Stenographisches Protokoll der Verhandlungen des … Zionisten-Kongresses … in …
Volume
8 (1907) Haag, 14. bis 21. August 1907
Date
1907-01-01
Page
Seite 118 (sequence 116)
Language
German, English, Hebrew
Belongs to
journal volume
OCR quality
99% known words query
IRI
…/3476254-3476270--2693-3478833
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

— 118 — wenn dem A. C. vorgeworfen wird, daß es keine Palästina-Arbeit geleistet hat. Was soll das A. C. mit. seinen beschränkten finanziellen Mitteln in Palästina tjun? Wer da weiß, was die Kolonisation in Palästina kostet, der weiß, daß eine halbe Million, wenn wir sie schon hätten, keine Rolle spielt. Das wesentliche ist, das Privatinteresse für Palästina zu erwecken, dahin zu wirken, daß jeder Jude, der Kapital hat und Zionist ist, wenigstens einen Teil seines Kapitals in Palästina arbeiten läßt. (Lebhafter Beifall.) In diesem Sinne hat unser A. C. zwar nichts getan. Aber was soll es tun? Wohl aber müssen wir zugeben, daß das A. C. und besonders die Person im A. C, der diese Pflicht obliegt, die Initiative ergriffen hat für die große Arbeit. Es ist selbstverständlich, daß eine ganze Reihe von Gesellschaften zustande gekommen sind, um zu arbeiten. Sie sind private Unternehmungen und nicht von der zionistischen Partei unternommen. Aber diese haben ihre Anregung vom Kongresse und die Direktive vom A. C, und deshalb dürfen wir nicht, sagen, das ist ohne das A. C. geschehen. Das sind nur die einzelnen Strahlen, die vom Kongresse ausgehen. Nach dem 7. Kongresse, wo das A. C. gewählt wurde, brachen die entsetzlichen Pogrome wie ein Elementarereignis über unsere Häupter herein und lähmten jede Arbeit. Die Brüsseler Konferenz war ein Schlag ins Wasser, aber ein löblicher Versuch und deshalb nicht zu tadeln. Schuld am Mißlingen waren die anderen Organisationen, die Hand hätten anlegen sollen, die uns aber im Stiche gelassen haben. (Lebhafter Beifall.) Man hat dem A. C. verübelt, daß wir keine Programme bekommen haben. Wir haben, ein Programm erhalten; aber wir können nicht ausdrücklich verlangen, daß jede einzelne Arbeit hier vorgeschrieben wird, sondern nur, daß die großen Richtlinien gegeben werden, und diese wurden gegeben. Vielleicht war die diplomatische Tätigkeit des A. C. nicht erfolgreich, wir haben aber keinen der Fäden aus der Hand gelassen, die Herzl gesponnen hat. Diese Diplomatie wollen wir fortsetzen, indem wir sein Werk zu Ende bringen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Aber dazu gehört in erster Linie auch die Vorbereitung des Landes, die Vorbereitung in dem Sinne, daß wir jüdisches Kapital in Palästina investieren. Dadurch freilich, daß wir Streiks unter den Arabern organisieren, würden wir nie etwas erreichen. (Lebhafter Beifall.) Wohl aber dadurch, daß Arbeiter und Proletarier einerseits, die jüdischen Arbeitgeber und Kapitalisten andererseits darin einig sind, daß dieses Land unser sein muß und daß wir nicht diev Hand reichen dürfen denjenigen, die uns hinausbringen wollen. Wir werden einig arbeiten, wenn wir einig sind, daß es nicht die ökonomische Frage, sondern die Frage des jüdischen Herzens ist, die uns zusammengeführt hat durch den Drang nach Nationalismus, nach dem einigen Judentum, das einst in Palästina gelebt hat und wieder in Palästina sich einigen soll. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) In diesem Sinne müssen wir das Land vorbereiten. Wir müssen es vorbereiten, es harrt seiner Bewohner seit 2000 Jahren, wir wollen es bearbeiten; aber auch die Vorbereitung des Volkes selbst in Palästina, nicht bloß in den Golusländern, müssen wir , in Angriff nehmen. Wir müssen es dahin bringen, daß es nicht vorkommen kann, daß Juden ihre Kinder taufen lassen, daß sie Mischehen eingehen, daß sie vom Judentum abfallen. Wir müssen die Juden stark machen, damit sie imstande sind, jüdische Arbeit, aber in allererster Linie in Palästina, zu leisten. Dort heißt es Menschen und Juden schaffen, und die Juden, die wertlos herumliegen, in lebendige Werte umzusetzen, soziale Werte in Palästina. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Die praktische Arbeit in Palästina haben .wir wieder begonnen,- wir

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.